Budyšin, 04.09.2010
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Geschichte und Anspruch unserer Abendzeitung
Informationsvermittler und Meinungsforum

Im Jahre 1842 erschien in Budissin erstmals die Tydźenska nowina abo serbske Powěsće za hornich Łužičanow. 1854 wurde das politische Wochenjournal in Serbske Nowiny umbenannt. Seit 1921 erscheinen Serbske Nowiny als Tageszeitung.

Mit der Herausgabe von Presseerzeugnissen in sorbischer Sprache in der Zeit des Vormärz im 19. Jahrhundert reihten sich auch die Sorben in die breite Bewegung europäischer Völker für nationale Selbstbestimmung, hohes Kultur-und Bildungsniveau sowie Pressefreiheit ein. Dabei war diese Bewegung, die zu den demokratischsten in der Geschichte des 1000-jährigen Bautzen und des sorbischen Volkes gehört, von Anfang an Restriktionen unterworfen. So belegte zum Beispiel der Rat der Stadt Bautzen die Tydźenske nowiny mit der Konzessionsvergabe ausdrücklich mit der Vorschrift, keine außenpolitischen Nachrichten zu verbreiten. Die strikte Einhaltung dieser Vorschrift überwachte ein Zensor.

Das Diktat der jeweils herrschenden Politik begleitete Herausgeber und Autoren unserer Tageszeitung bis zum Ausklang des 20. Jahrhunderts. Die Nationalsozialisten, die leider auch Bautzen und die zweisprachige Lausitz bis zur Befreiung in ihren Fesseln hielten, verboten gar 1937 die Serbske Nowiny, weil sich ihre Redakteure diesen nicht unterwarfen.

Zur Zeit der DDR waren die Journalisten der sorbischen Tageszeitung - nunmehr Nowa doba (Neue Zeit) genannt - angehalten, mittels "roter Brille" zu schreiben. Die Mehrheit der sorbischen Zeitungsmacher war jedoch stets bestrebt, die Leserschaft über wichtige Geshcehnisse in der Lausitz und der Welt möglichst umfassend und unabhängig zu informieren - und das aus dem Blickwinkel der Sorben und ihrer Interessen. Natürlich wollte die sorbische Zeitung auch jederzeit bildend und unterhaltend wirken sowie das Selbstbewusstsein der Sorben befördern.

Mit der Wende zur Demokratie 1989/1990 hielt auch für die sorbischen Journalisten die Pressefreiheit umfassend Einzug. Die Verfassung des Freistaates Sachsen garantiert ihnen, wonach sich solch bedeutende sorbische Zeitungsleute wie Handrij Zejler, Jan Arnošt Smoler, Marko Smoler, Jan Skala und andere zu ihrer Zeit nur sehnen konnten. Im Artikel 20 heißt es unter anderem: "Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

Diese Freiheit legt den Zeitungsredakteuren - ob angestellt oder freiberuflich tätig - eine hohe Verantwortung auf.

Vor diesem ideellen Bedingungen sind die sorbischen Zeitungsmacher bemüht, ihre Leser tagtäglich mit interessanten Informationen, Berichten, Reportagen, Interviews und Ratschlägen zu versorgen. Die Serbske Nowiny sind dabei für Meinungsäußerungen unterschiedlichster Art offen. Sie sind ein Forum der zustimmenden, aber auch kritischen Betrachtung sämtlicher Angelegenheiten, Erfolge, Sorgen und Befürchtungen des sorbischen Volkes in unserer Zeit.

Benedikt Dyrlich

 

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