Ein Umdenken ist notwendig

Mittwoch, 29. August 2018 geschrieben von:
Axel Arlt

Die Partei Die Linke in Sachsen tut sich schwer damit, ihren sorbischen Mitgliedern eine selbstbestimmte, gleichberechtigte Teilhabe zuzugestehen, wenn es um die Kandidaten für jene Plätze der Landesliste geht, die nach der Landtagswahl ein Mandat im nächsten sächsischen Parlament verheißen.

Wenn die Landessatzung der sächsischen Linkspartei im Paragraf 7 fordert, dass die Repräsentanz und Mitwirkung der sorbischen Minderheit im Meinungs- und Willensbildungsprozess der Partei zu fördern ist, dann gilt das uneingeschränkt für die Landesliste zur Landtagswahl. Doch die Begehrlichkeiten nach einem gut dotierten Abgeordnetenmandat sind in den Kreis- und Stadtverbänden der Partei zu groß, um diese eigentlich solidarische Selbstverpflichtung mit Leben zu erfüllen. Das war auf dem Landesparteitag am 25. August in Hoyerswerda erneut zu erleben.

Es bewegt sich etwas!

Mittwoch, 25. Juli 2018 geschrieben von:
Janek Schäfer

Mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist in Sachsen eine gewisse andere Art der Politik – auch den Sorben gegenüber – festzustellen. Hatte man bisher das Gefühl, über sorbische Belange und Interessen werde eher hinter verschlossenen Türen verhandelt, geht der neue Mann an der Spitze Sachsens ganz andere Wege: Konsequent an die Öffentlichkeit. Sorbische Themen werden viel entspannter und öffentlicher angesprochen und diskutiert. Darauf haben einige Verantwortungsträger lange warten müssen. Bereits unter der Regierung von Stanislaw Tillich hatten sie auf diesen Schritt gehofft. Er aber blieb aus, obwohl der ehemalige Premier sehr gute Beziehungen ins Haus der Sorben pflegte. Um so besser, dass es sein Nachfolger nun geschafft hat. Mit seiner offenen Gesprächsform hat Kretschmer eine Qualität erreicht, mit der er die sorbische Problematik auf eine höhere Ebene hebt. Aber auch hinsichtlich der allgemeinen Politik in Sachsen scheint er begriffen zu haben, dass es ohne das Volk nicht geht.

Aufgabe, die bestehen bleibt

Mittwoch, 27. Juni 2018 geschrieben von:
Robert Lorenz„An drei Tischen diskutierten insgesamt etwa 30 Bürgerinnen und Bürger, Kommunalpolitiker und Sorben über Gegenwart und Zukunft.“ Manchmal genügt ein Satz, um ein Problem deutlich zu umreißen. Wie diese bemerkenswerte Aufteilung der Bautzener Bürgerschaft aus der Pressemeldung der Stadt Bautzen zur Veranstaltung „Kultur und Sorben“ am 4. Juni. Hier ging es um das künftige Leitbild von Bautzen. Wäre das Sorbische tatsächlich in dem Maße selbstverständlich für die „Hauptstadt der Sorben“, wie es immer wieder gern von verschiedener Seite betont wird, müsste man es wohl nicht zum Sonderpunkt beim Austausch über die „weichen Standortfaktoren“ erklären. Dann wäre es ein normales Element jeder der insgesamt acht Leitbild-Themenrunden von Wirtschaft bis Vereinsleben. Doch leider sind wir von einem solchen Zustand in Bautzen noch immer weit entfernt und das Sorbische fand sich einmal mehr in zunächst sicherlich guter Absicht exotisiert und zum Sonderthema stilisiert.

Die Arbeit könnte beginnen

Mittwoch, 30. Mai 2018 geschrieben von:
Axel Arlt

Es war mein erstes Wörterbuch, das mir helfen sollte, den niedersorbischen Wortschatz zu ergründen. Bogumił Šwjelas kleines Deutsch-Niedersorbisches Taschenwörterbuch von 1953, wie auch seine 1961 und 1963 erschienene Edition Dolnoserbski-Němski słownik (Niedersorbisch-Deutsches Wörterbuch), waren bis in die 1980er-Jahre beliebte handliche Nachschlagewerke. Šwjela blieb es zu Lebzeiten verwehrt, diese Wörterbücher gedruckt als praktisches Ergebnis akribischer Wortsammlungen zu sehen.

Sein umfangreich zusammengetragenes Material zum niedersorbischen/wendischen Wortschatz, zur Rechtschreibung, Grammatik und den Flurnamen im damaligen Kreis Cottbus hat er der Nachwelt in Büchern und anderen Beiträgen hinterlassen. Welch ein Reichtum! Davon profitieren heute auch all jene in der Niederlausitz, die sich in ihren Gemeinden wieder für die historischen niedersorbischen Flurnamen interessieren. Das ist gewiss ein Aspekt im Leben und Schaffen dieses Patrioten.

Politik – Schritt für Schritt

Mittwoch, 25. April 2018 geschrieben von:
Milenka Retschke

Sollte der Titel des ersten sorbischen Digitalen Lehrbuchs „Sorbisch Schritt für Schritt lernen – Rechtschreibung und Grammatik“ wegweisend für die Zukunft sein? Vor allem sorbische Besucher erlebten ein ungewöhnlich großes Aufgebot von Politikern. Sie wollten die Vorstellung des neuen Lehrbuchs erleben. Das gab es in Sachsen bisher eher selten.

Die Saat ist aufgegangen

Mittwoch, 28. März 2018 geschrieben von:
Axel Arlt

Als das sorbische Volk mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 Teil des deutschen Staatsvolkes wurde, brachte es ein Novum mit: Nie zuvor hatte und hat bis heute eine nationale Minderheit in Deutschland eine derartig reiche institutionelle Kulturlandschaft. Diese wurde in den 1950er-Jahren zwar in der Deutschen Demokratischen Republik geschaffen, war aber eine unmittelbare Auswirkung des Gesetzes zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung. Dieses hatte der Sächsische Landtag vor 70 Jahren einstimmig beschlossen.

Mit Blick auf den Beginn konkreter Regelungen zum Erhalt der sorbischen Sprache und Kultur fasziniert, wie kurz und prägnant die einzelnen Paragrafen gefasst sind. Die wahre Leistung der Abgeordneten im Nachkriegslandtag aber besteht wohl darin, dass sie ein Gesetz beschlossen haben, das im Nachhinein gar einer Überprüfung unter rechtsstaatlichen Prinzipien standhielt.

Raum für Interpretationen

Mittwoch, 28. Februar 2018 geschrieben von:
Axel Arlt

Die Diskussionen um den Vertragsentwurf für eine mögliche neue Bundesregierung von CDU, SPD und CSU sind vielschichtig. Auch wenn das Dokument noch nicht unterschrieben ist, dürften Änderungen ausgeschlossen sein.

Gutes Gelingen, Herr Kretschmer

Mittwoch, 31. Januar 2018 geschrieben von:
Janek Schäfer

Der neue sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer sendet positive Signale in die Welt. Zumindest positiv für Minderheiten, besonders für die Sorben in Sachsen. Zum einen hat er die europäische Bürgerinitiative Minority SafePack unterschrieben, was sein Vorgänger im Amt Stanislaw Tillich bislang vermieden hatte. Das zeigt: Kretschmer weiß Bescheid!

Gespräche sind noch viele nötig

Mittwoch, 27. Dezember 2017 geschrieben von:
Axel Arlt

Was bringt das neue Jahr? Mit Blick auf die Europäische Bürgerinitiative Minority SafePack heißt es in der zweisprachigen Lausitz, 2018 dort nahtlos fortzufahren, wo die Bemühungen um recht viele Unterschriften im alten Jahr endeten. Dass die Domowina und die ihr angehörigen Vereine und Regionalverbände erklecklich dazu beitragen wollen, die für die Dänen, Friesen, Sinti und Roma sowie Sorben in Deutschland von der Föderalistischen Union europäischer Nationalitäten (FUEN) vorgesehene Zahl von 72 000 Unterstützerunterschriften zu erreichen, ist bekannt.

Zur ungefähren Halbzeit der Aktion jedoch droht für den sorbischen Bereich ein etwas ernüchterndes Zwischenfazit. Eine konkrete Zahl aller zumindest auf Listen erfassten bisherigen Unterschriften liegt bei der Domowina noch nicht vor. Die digitale Form erlaubt nur schwerlich zuzuordnen, ob der Unterstützer bzw. die Unterstützerin einer in Deutschland lebenden nationalen Minderheit angehören oder ob sie aus ihrem staatsbürgerlichen Verständnis her­aus unterschrieben haben.

Sprache ist Menschenrecht

Mittwoch, 29. November 2017 geschrieben von:
Prof. Lojze Wieser

Allein in Europa leben in den derzeit 49 Staaten 200 autochthone und 200 zugewanderte Sprachen und Kulturen, wobei die Sprachen der migrierenden und emigrierenden Menschen noch nicht mitgerechnet sind. Das ergibt im Schnitt acht Kulturen und Sprachen pro Land. Demnach bilden die Minderheiten die Mehrheit und die Mehrheit ist die Minderheit. Es geht bei den Rechten der Minderheiten schon längst um die Frage des Rechtes auf konsequente Anwendung und Nutzung der Sprache für alle hiesigen und alle hergekommenen Menschen in allen Bereichen. Die meisten Sprachen und Kulturen mussten in der Geschichte schon immer ohne Territorium auskommen, nur einigen war das Privileg gewährt worden, einen eigenen „Nationalstaat“ zu gründen. Sprachen und Kulturen ohne Territorium, die bisher und bis heute überlebt haben, tragen die Zukunft in sich.

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