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Arbeiten weiter an Kultur GmbH
Offener Brief von Kito Lorenc sorgt für Diskussionen
Bautzen/Wuischke. Nachdem sich der Lessingpreisträger Kito Lorenc gegen eine Zentralisierung sorbischer Institutionen ausgesprochen hatte, bekam er viel Zuspruch aus der Bevölkerung.
Nach Ansicht der Minderheitspolitischen Sprecher der Linksfraktion des Brandenburgischen und Sächsischen Landtages Jürgen Maresch und Heiko Kosel stecke die Debatte um die Förderung der sorbischen Sprache und Kultur in einer Schieflage. Sie appellierten an die Verantwortlichen, „die Ablehnung vieler Sorben gegenüber einer Kultur GmbH ernst zu nehmen“. Vor allem kritisieren sie den Druck der Geldgeber zum Sparen sowie die ungenügende Transparenz der Stiftungsausschüsse. Mittlerweile haben den offenen Brief von Kito Lorenc mehr als 50 Unterstützer unterschrieben.
Unter der Überschrift „Schluss mit dem Unfug“ kritisierten Lorenc und weitere Unterstützer das Konstrukt der geplanten Kultur GmbH. Unterdessen hat der Schriftsteller Behauptungen des Stiftungsdirektors Marko Suchy, wonach nicht er der Urheber des offenen Briefes sei, sondern der Vorsitzende des Sorbischen Künstlerbundes Benedikt Dyrlich, zurückgewiesen. In einem Brief an das Bundesinnenministerium sowie an alle Mitglieder des Stiftungsrates erklärt Lorenc: „Den Text ‚Schluss mit dem Unfug!‘ habe ich spontan geschriebnen aus Empörung über die Pläne der Stiftung zur Gründung einer Kultur GmbH.“
Trotz großer Ablehnung wird hinter verschlossenen Türen weiter an der sogenannten Kultur GmbH gearbeitet. Einem Vorschlag der Arbeitsgruppe Bühne und Kunst der Stiftung für das sorbische Volk sollen der GmbH neben dem Sorbischen National-Ensemble auch der Domowina-Verlag, das Witaj-Sprachzentrum und die beiden Kulturinformationen in Bautzen und Cottbus angegliedert werden. (JaW)
Gemeinde Räckelwitz wird nicht weiter klagen
Eltern beraten Petition
Räckelwitz. Die Gemeinde Räckelwitz beabsichtigt aufgrund der abschlägigen Entscheidung des Sächsischen Verwaltungsgerichtes Dresden hinsichtlich der Weiterführung einer 8. Klasse an der Sorbischen Mittelschule in Räckelwitz nicht, in weiterer Instanz zu klagen. Das bestätigt der sächsische Landtagsabgeordnete der CDU Alojs Mik³aw¹k den Serbske Nowiny. Rechtsanwalt Torsten Schmidt aus Leisnig, der die Gemeinde Räckelwitz in diesem Verfahren betreute, empfiehlt, nicht weiter zu klagen. „Die Begründung des Oberverwaltungsgerichtes könnte noch härter ausfallen als die des Verwaltungsgerichtes“, so Schmidt.
Das Verwaltungsgericht in Dresden hatte sich der Argumentation des Sächsischen Ministeriums für Bildung und Sport angeschlossen. Dessen Vertreter begründeten ihre Entscheidung, die Mitwirkung an der Fortführung der 8. Klasse in Räckelwitz einzustellen, mit der zu geringen Schülerzahl. Zu Beginn dieses Schuljahres waren nur sechs Schüler für die 8. Klasse angemeldet. Dieselbe Schülerzahl hatte jedoch dieselbe Klasse auch im vergangenen Schuljahr, so die Argumentation Schmidts. Das Ministerium begründete sein damaliges Nichteinschreiten damit, dass den Mitarbeitern die zu geringe Schülerzahl nicht aufgefallen wäre. Das Gericht akzeptierte.
Unterdessen lernen die acht von dieser Entscheidung betroffenen Jugendlichen aus Räckelwitz an der Mittelschule in Ralbitz. Deren Eltern haben sich gemeinsam zum Wohle ihrer Kinder zu dieser Entscheidung durchgerungen. Für mehrere Schüler bedeutet es bereits, die dritte Mittelschule zu besuchen. Einige waren bereits in Panschwitz-Kuckau, Crostwitz und Räckelwitz zur Schule gegangen.
Inzwischen diskutieren Eltern, deren Kinder in Räckelwitz zur Schule gehen oder gingen, darüber, dem Sächsischen Landtag eine Petition zu übergeben. Darin wollen sie ihre eigenen Befindlichkeiten erläutern und ihre Sorge um die Zukunft sorbischer Bildungsstätten zum Ausdruck bringen. Zugleich wollen sie das Kultusministerium dazu auffordern, seine Position zur Weiterführung der Mittelschulen in Räckelwitz und Ralbitz zu verdeutlichen. (MiR)
Pfarrer Dawidowski soll im sorbischen Gebiet bleiben
Mehr als 700 Unterschriften
Ostro. Die Pfarrstelle in Ostro soll in naher Zukunft wieder besetzt werden. Dies bestätigte Marian Wenk auf einem Forum zum Thema „Versetzung sorbischer Geistlicher“ am 6. August in Ostro. „In einem Telefongespräch teilte mir Bischof Joachim Reinelt mit, dass er einen älteren sorbischsprachigen Pfarrer für die Ostroer Kirchgemeinde gefunden hat“, sagte Wenk. Wer der neue Geistliche ist und wann er sein Amt antritt, konnte er jedoch nicht sagen.
Die Ostroer Jugend um Marian Wenk wehrt sich derweil weiter gegen die Versetzung ihres Pfarrers Tomasz Dawidowski nach Reichenbach. Dazu veranstalteten die Jugendlichen das Forum. Sie fordern, „dass Pfarrer Dawidowski nicht in einen deutsche Gegend versetzt wird, sondern im sorbischsprachigen Gebiet weiter seinen Dienst verrichten kann“, so der Initiator der Protestaktion.
Die Anwesenheit von knapp 40 Leuten aus Ostro und Umgebung beweist den Jugendlichen, dass dieses Problem keineswegs nur eines der Ostroer Kirchgemeinde ist. Nach kurzer Erläuterung der Geschehnisse gab der sorbische Kulturwissenschaftler des Bautzener Sorbischen Institutes Dr. Martin Walde einen geschichtlichen Exkurs zum Thema Versetzung sorbischer Geistlicher. „Früher war es nichts Besonderes, dass Priester versetzt wurden, das geschah recht häufig. Im Gegensatz zu heute hatte man aber damals noch genug Priesternachwuchs“, so Walde. Weiterhin widmete er sich geschichtlichen Fakten und Konflikten zwischen Sorben und der kirchlichen Obrigkeit. „Es gab immer wieder Streit, doch darüber wurde niemals öffentlich gesprochen.“
Bischof Joachim Reinelt hatte unlängst entschieden, dass der aus Polen stammende sorbischsprachige Pfarrer Tomasz Dawidowski am 1. September seine neue Stelle in Reichenbach antreten soll. Die Ostroer Jugend bat Bischof Reinelt um ein klärendes Gespräch – ohne Erfolg. Die daraufhin initiierte Protestaktion unterstützen mehr als 700 Menschen mit ihrer Unterschrift. Da Bischof Reinelt am 18. August zu Hause und auch im Ordinariat nicht anzutreffen war, übergaben die Jugendlichen die Protestliste seiner Sekretärin. (JaW) |