Budyšin, 08.09.2010
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AUSGABE IN DEUTSCHER SPRACHE

Arbeiten weiter an Kultur GmbH

Offener Brief von Kito Lorenc sorgt für Diskussionen

Bautzen/Wuischke.
Nachdem sich der Lessingpreisträger Kito Lorenc gegen eine Zentralisierung sorbischer Institutionen ausgesprochen hatte, bekam er viel Zuspruch aus der Bevölkerung.

Nach Ansicht der Minderheitspolitischen Sprecher der Linksfraktion des Brandenburgischen und Sächsischen Landtages Jürgen Maresch und Heiko Kosel stecke die Debatte um die Förderung der sorbischen Sprache und Kultur in einer Schieflage. Sie appellierten an die Verantwortlichen, „die Ablehnung vieler Sorben gegenüber einer Kultur GmbH ernst zu nehmen“. Vor allem kritisieren sie den Druck der Geldgeber zum Sparen sowie die ungenügende Transparenz der Stiftungsausschüsse. Mittlerweile haben den offenen Brief von Kito Lorenc mehr als 50 Unterstützer unterschrieben.

Unter der Überschrift „Schluss mit dem Unfug“ kritisierten Lorenc und weitere Unterstützer das Konstrukt der geplanten Kultur GmbH. Unterdessen hat der Schriftsteller Behauptungen des Stiftungsdirektors Marko Suchy, wonach nicht er der Urheber des offenen Briefes sei, sondern der Vorsitzende des Sorbischen Künstlerbundes Benedikt Dyrlich, zurückgewiesen. In einem Brief an das Bundesinnenministerium sowie an alle Mitglieder des Stiftungsrates erklärt Lorenc: „Den Text ‚Schluss mit dem Unfug!‘ habe ich spontan geschriebnen aus Empörung über die Pläne der Stiftung zur Gründung einer Kultur GmbH.“

Trotz großer Ablehnung wird hinter verschlossenen Türen weiter an der sogenannten Kultur GmbH gearbeitet. Einem Vorschlag der Arbeitsgruppe Bühne und Kunst der Stiftung für das sorbische Volk sollen der GmbH neben dem Sorbischen National-Ensemble auch der Domowina-Verlag, das Witaj-Sprachzentrum und die beiden Kulturinformationen in Bautzen und Cottbus angegliedert werden. (JaW)







Gemeinde Räckelwitz wird nicht weiter klagen

Eltern beraten Petition

Räckelwitz.
Die Gemeinde Räckelwitz beabsichtigt aufgrund der abschlägigen Entscheidung des Sächsischen Verwaltungsgerichtes Dresden hinsichtlich der Weiterführung einer 8. Klasse an der Sorbischen Mittelschule in Räckelwitz nicht, in weiterer Instanz zu klagen. Das bestätigt der sächsische Landtagsabgeordnete der CDU Alojs Mik³aw¹k den Serbske Nowiny. Rechtsanwalt Torsten Schmidt aus Leisnig, der die Gemeinde Räckelwitz in diesem Verfahren betreute, empfiehlt, nicht weiter zu klagen. „Die Begründung des Oberverwaltungsgerichtes könnte noch härter ausfallen als die des Verwaltungsgerichtes“, so Schmidt.

Das Verwaltungsgericht in Dresden hatte sich der Argumentation des Sächsischen Ministeriums für Bildung und Sport angeschlossen. Dessen Vertreter begründeten ihre Entscheidung, die Mitwirkung an der Fortführung der 8. Klasse in Räckelwitz einzustellen, mit der zu geringen Schülerzahl. Zu Beginn dieses Schuljahres waren nur sechs Schüler für die 8. Klasse angemeldet. Dieselbe Schülerzahl hatte jedoch dieselbe Klasse auch im vergangenen Schuljahr, so die Argumentation Schmidts. Das Ministerium begründete sein damaliges Nichteinschreiten damit, dass den Mitarbeitern die zu geringe Schülerzahl nicht aufgefallen wäre. Das Gericht akzeptierte.

Unterdessen lernen die acht von dieser Entscheidung betroffenen Jugendlichen aus Räckelwitz an der Mittelschule in Ralbitz. Deren Eltern haben sich gemeinsam zum Wohle ihrer Kinder zu dieser Entscheidung durchgerungen. Für mehrere Schüler bedeutet es bereits, die dritte Mittelschule zu besuchen. Einige waren bereits in Panschwitz-Kuckau, Crostwitz und Räckelwitz zur Schule gegangen.

Inzwischen diskutieren Eltern, deren Kinder in Räckelwitz zur Schule gehen oder gingen, darüber, dem Sächsischen Landtag eine Petition zu übergeben. Darin wollen sie ihre eigenen Befindlichkeiten erläutern und ihre Sorge um die Zukunft sorbischer Bildungsstätten zum Ausdruck bringen. Zugleich wollen sie das Kultusministerium dazu auffordern, seine Position zur Weiterführung der Mittelschulen in Räckelwitz und Ralbitz zu verdeutlichen. (MiR)







Pfarrer Dawidowski soll im sorbischen Gebiet bleiben

Mehr als 700 Unterschriften

Ostro.
Die Pfarrstelle in Ostro soll in naher Zukunft wieder besetzt werden. Dies bestätigte Marian Wenk auf einem Forum zum Thema „Versetzung sorbischer Geistlicher“ am 6. August in Ostro. „In einem Telefongespräch teilte mir Bischof Joachim Reinelt mit, dass er einen älteren sorbischsprachigen Pfarrer für die Ostroer Kirchgemeinde gefunden hat“, sagte Wenk. Wer der neue Geistliche ist und wann er sein Amt antritt, konnte er jedoch nicht sagen.

Die Ostroer Jugend um Marian Wenk wehrt sich derweil weiter gegen die Versetzung ihres Pfarrers Tomasz Dawidowski nach Reichenbach. Dazu veranstalteten die Jugendlichen das Forum. Sie fordern, „dass Pfarrer Dawidowski nicht in einen deutsche Gegend versetzt wird, sondern im sorbischsprachigen Gebiet weiter seinen Dienst verrichten kann“, so der Initiator der Protestaktion.

Die Anwesenheit von knapp 40 Leuten aus Ostro und Umgebung beweist den Jugendlichen, dass dieses Problem keineswegs nur eines der Ostroer Kirchgemeinde ist. Nach kurzer Erläuterung der Geschehnisse gab der sorbische Kulturwissenschaftler des Bautzener Sorbischen Institutes Dr. Martin Walde einen geschichtlichen Exkurs zum Thema Versetzung sorbischer Geistlicher. „Früher war es nichts Besonderes, dass Priester versetzt wurden, das geschah recht häufig. Im Gegensatz zu heute hatte man aber damals noch genug Priesternachwuchs“, so Walde. Weiterhin widmete er sich geschichtlichen Fakten und Konflikten zwischen Sorben und der kirchlichen Obrigkeit. „Es gab immer wieder Streit, doch darüber wurde niemals öffentlich gesprochen.“

Bischof Joachim Reinelt hatte unlängst entschieden, dass der aus Polen stammende sorbischsprachige Pfarrer Tomasz Dawidowski am 1. September seine neue Stelle in Reichenbach antreten soll. Die Ostroer Jugend bat Bischof Reinelt um ein klärendes Gespräch – ohne Erfolg. Die daraufhin initiierte Protestaktion unterstützen mehr als 700 Menschen mit ihrer Unterschrift. Da Bischof Reinelt am 18. August zu Hause und auch im Ordinariat nicht anzutreffen war, übergaben die Jugendlichen die Protestliste seiner Sekretärin. (JaW)

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Besuch bei den Sorben

Staatsministerin verfolgt Prozess aufmerksam

Bautzen.
Die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Sabine von Schorlemer (parteilos) besuchte am 19. August erstmals die Sorben. Am Vormittag weilte sie zwei Stunden zu einem Gespräch im Bautzener Haus der Sorben. Die Vertreter der Sorben hoffen vor allem auf mehr Geld für die Stiftung für das sorbische Volk. Über einen Inflationsausgleich der Zuwendungen an die Stiftung für das sorbische Volk werde man künftig nachdenken müssen, im Rahmen des aktuellen Doppelhaushaltes war er nicht möglich, so eines der Ergebnisse aus der Diskussion. Die acht Geschäftsführer sorbischer Institutionen stellten ihre Einrichtungen vor und erläuterten, wie sie mit eigenen Produkten zum Erhalt der sorbischen Sprache beitragen. Im Anschluss gab es eine nicht öffentliche Diskussion. Am Gespräch nahmen die stellvertretende Direktorin der Stiftung für das sorbische Volk sowie der Vorsitzende der nationalen Organisation der Sorben Jan Nuck und der Geschäftsführer der Domowina Bernhard Ziesch teil. „Voranging ging es darum, dass die Staatsministerin erstmals, in sehr kompakter Form Kontakt zu den Verantwortungsträgern der Sorben erhält“, so der Geschäftsführer der Domowina Bernhard Ziesch. Die Ministerin sprach über ihre Initiative zur Entwicklung einer Konzeption über die Förderung der sorbischen Sprache in der Öffentlichkeit. Den Serbske Nowiny sagte sie: „Das ist immer ein Prozess mit allen Beteiligten. Es ist gewiss so, dass der Erhalt der sorbischen Sprache ein wichtiger Aspekt ist, auch bei der Förderung der sorbischen Angelegenheiten. Insofern verfolge ich diesen Prozess mit großer Aufmerksamkeit. Mein Besuch diente vorrangig dem besseren Kennenlernen der Einrichtungen.“

Sabine von Schorlemer besuchte das Sorbische Kulturzentrum in Schleife sowie den Njepilahof in Rohne. Weiterhin sprach sie mit den Vorsitzenden der Regionalverbände der Domowina und der sorbischen Vereine in Hoyerswerda. (MiR)

Ministerin Sabine von Schorlemer im Gespräch mit dem Domowina-Vorsitzenden Jan Nuck Foto: M. Bulang

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Trudla Malinkowa geehrt

Amerikanischer Preis für sorbisches Buch

Als die Bautzener Autorin Trudla Malinkowa nach dem Urlaub ihren Computer in Bautzen wieder einschaltet, wartet eine große Überraschung auf sie. „Gratulations!“, heißt es in der E-Mail aus Texas, „Shores of hope“ wird mit dem Concordia Historical Institute Award 2010 ausgezeichnet. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, sagt die Wissenschaftlerin, die sich 1992 auf die Spuren sorbischer Auswanderer nach Texas begeben hatte. 1995 erscheint dazu ihr Buch „Ufer der Hoffnung“ in sorbischer und deutscher Sprache, Anfang dieses Jahres die englische Ausgabe. Das Buch sei „ein bedeutender Beitrag zum Erbe des Luthertums in Amerika“, heißt es in der Begründung der Jury.

Als Expertin für Lausitzer Auswanderer hat Trudla Malinkowa sich inzwischen einen Namen gemacht, hält Vorträge auf Konferenzen im In- und Ausland, am 2. Mai 2011 in der Bautzener Akademie. Ihr nächstes Projekt: Im kommenden Jahr ein mehrtägiges Fest zum 200. Geburtstag von Jan Kilian zu organisieren. Der Pfarrer aus Kotitz sowie Weißenberg führte die größte sorbische Auswanderergruppe an und gründete die Gemeinde Serbin in Texas. Bekannt durch seine geistlichen Lieder gehört er heute zu den bedeutendsten sorbischen Persönlichkeiten.

„Ob ich zur Preisverleihung fahre, weiß ich noch nicht“, sagt Trudla Malinkowa. Bis 10. November hat sie noch Zeit.

Wissenschaftlerin Trudla Malinkowa aus Bautzen
Foto: M. Bulang

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BUT-Premiere für die Domowina

Bautzen. Auf den 18. Bautzener Unternehmertagen (BUT) vom 17. bis 19. September 2010 wird sich die Domowina erstmals im Bereich Ausbildung vorstellen. Ansprechpartnerin dort wird die Koordinatorin für Ausbildung Katja Ließner sein, die beim Bund Lausitzer Sorben das Projekt „Zukunft in der Oberlausitz durch Zwei- und Mehrsprachigkeit mit der sorbischen Sprache als Alleinstellungsmerkmal der Region Oberlausitz-Niederschlesien“ betreut.

Als Partner am Stand von Frau Ließner wird der Bund sorbischer Handwerker und Unternehmer vertreten sein. „Wir wollen über die Möglichkeiten von Schülerpraktika, von Ausbildungsplätzen für sorbischsprachige Schulabgänger sowie über Arbeitsplätze für Jungfacharbeiter in unseren Mitgliedsbetrieben informieren“, erläutert die Vorsitzende Monika Ziesch. Nach Meinung des Vorstandes wäre es am besten, wenn der sorbische Unternehmernachwuchs den jugendlichen Besuchern dabei ein kompetenter Gesprächspartner ist. „Das sollte In der verbleibenden Zeit bis zu den Unternehmertagen zu realisieren sein“, ist Frau Ziesch überzeugt. (at)


Deutsche Ausgabe SN, 25.08.2010

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