Nicht mit Gold aufzuwiegen

Mittwoch, 25. August 2021 geschrieben von:
Janek Schäfer

Musik ist die Sprache, die jeder versteht, sie überwindet Mauern und Hindernisse, verbindet Menschen. Dies wissen auch die jungen Sorben rund um das Musikerkollektiv „Trio a Kumple“ und wagen sich unter – wegen der Corona-Pandemie – erschwerten Bedingungen an ein künstlerisches Projekt, das viele sorbische und deutsche Menschen zusammenzubringen verspricht.

Das Kollektiv um Simon Heiduschka bereitet die erste sorbische Pop-Oper „Carpe Noctem – Unendliche Nacht“ vor. Dieser sorbischen musikalischen Leckerbissen gibt es bisher nicht viele. Ende der 1990-ger Jahre hatte die Gruppe „Łužica live“ ein Pop-Märchen in Crostwitz höchst erfolgreich aufgeführt. Dann war es etliche Jahre still in diesem Genre, bis­ 2019 die Sorbische Oberschule Räckelwitz mit dem Musical „Quo vadis – dokal dźeš?“ (Quo vadis – Wohin gehst du?) auf sich aufmerksam machte und viel Zuspruch bekam.

Ausnahme sollte zur Regel werden

Mittwoch, 28. Juli 2021 geschrieben von:
Axel Arlt

Die von der Domowina für 2021/2022 ausgerufene Aktion „Jahr der Regionalverbände“ (Lěto župow) wurde an historischer Stelle gestartet. Nämlich ungefähr dort, wo am 24. Juli 1921 im hinteren Teil des Hoyerswerdaer Rathauses die Vertreter sorbischer Vereine die Regionalisierung ihres Dachverbandes beschlossen. Gemeinsam mit der Stadt Hoy­erswerda gedachte die Domowina knapp einhundert Jahre später dieses in ihrer Geschichte wichtigen Ereignisses.

Beharrlichkeit zahlt sich aus

Mittwoch, 30. Juni 2021 geschrieben von:
Janek Schäfer

Nun ist es beschlossene Sache: Die Domowina will einen Verbund sorbischer Schulen gründen. Damit soll die Bildungsautonomie des sorbischen Volkes erreicht werden. Vorrangig geht es darum, den sorbischen Lehrernachwuchs zu sichern, die sorbische Sprache zu stärken und Mitbestimmung darüber, was an den Bildungsstätten im sorbischen Siedlungsgebiet geschieht, zu erlangen.

Das klingt gut und auch recht plau­sibel. Die Idee dazu ist aber schon etwas älter. Die ersten Überlegungen gab es vor 20 Jahren, als es in Crostwitz zum Schulstreik kam, um die dortige Mittelschule vor der Schließung zu bewahren. Wegen einiger Hürden jedoch platzte der damalige Traum vom „Sorbischen Schulnetz“. Vorrangig spielten die Gemeinden als Träger der Bildungseinrichtungen nicht mit und auch die Lehrerinnen und Lehrer­ standen der neuen Idee skeptisch gegenüber. Am Ende wurde neben der Crostwitzer nur wenig später auch die Mittelschule in Panschwitz-Kuckau geschlossen. Was für eine bittere Pille!

Gewachsene Akzeptanz

Mittwoch, 26. Mai 2021 geschrieben von:
Axel Arlt

Wie sich die Zeiten ändern! Oft sind diese Worte mit einem Blick in die „doch viel bessere“ Vergangenheit verbunden. Anders jedoch ist es um die sorbischen Finanzen bestellt. Der Domowina-Vorsitzende Dawid Statnik spricht in einem zu Pfingsten veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur dpa von einem „Gefühl, dass Sorben und sorbische Themen stärker wahrgenommen werden“.

Als gewachsene Akzeptanz für sorbische Anliegen ist das unterschriftsreif vorliegende Vierte Finanzierungsabkommen für die Stiftung für das sorbische Volk zu werten.

Bewaffneter Strukturwandel

Mittwoch, 28. April 2021 geschrieben von:
Axel Arlt

Gemeinsam mit der Bundeswehr will Ministerpräsident Michael Kretschmer den nächsten Meilenstein für die Strukturentwicklung in der sächsischen Lausitz setzen. Dass dabei die Glasmacherstadt Weißwasser zum Garnisonsstandort eines Kampfunterstützungsverbandes werden könnte, darauf hoffen auch die Verantwortlichen in der nur wenige Kilometer entfernten Gemeinde Trebendorf. Schließlich bedeutet das Bevölkerungszuwachs. Schon heute warten dort 60 an die Medien angeschlossene Baugrundstücke auf Käufer.

Der vorgesehene Ausbau der Bundeswehrpräsenz in der sächsischen Oberlausitz soll nach dem Willen der sächsischen Staatsregierung ein Element der Strukturentwicklung nach dem Ausstieg aus der Braunkohle sein. Zwar kann die Region mit Bautzen, Kamenz, Rothenburg, Löbau, Zittau und Görlitz auf einstige Garnisonsstädte zurückschauen. Doch dieses Kapitel endete in fast allen genannten Orten spätestens mit der Abwicklung der Nationalen Volksarmee im Zuge des Beitritts der DDR zur BRD.

Ein ganz wichtiges Signal

Mittwoch, 31. März 2021 geschrieben von:
Barbara Klepsch

Die sorbische Sprache und Kultur sind ein wichtiger Teil sächsischer Identität. Seit dem 23. März gibt es von Seiten des Freistaates Sachsen erneut eine feste Zusage zur finanziellen Absicherung. Ich freue mich sehr darüber, dass die Förderung der sorbischen Sprache, Kultur und Identität mit dem Beschluss zum Vierten Abkommen über die gemeinsame Finanzierung der Stiftung für das sorbische Volk für die nächsten fünf Jahre gesichert ist. Das ist von enormer Bedeutung für die Stiftung. Es ist aber auch wichtig für uns als Freistaat – und für den Umgang mit Minderheiten in Europa. Der nächste Schritt ist die Unterzeichnung durch die Ministerpräsidenten von Sachsen und Brandenburg und durch den Bundesinnenminister.

Zusätzliche Motivation

Mittwoch, 24. Februar 2021 geschrieben von:
Axel Arlt

Der Internationale Tag der Muttersprache am 21. Februar war der sächsischen Kulturministerin Barbara Klepsch Anlass, erneut auf die Imagekampagne „Sorbisch? Na klar.“ zu verweisen. Diese läuft seit gut einem Jahr und kann sich in der Öffentlichkeit inzwischen auf drei gut erkennbare Werbesäulen stützen. Sie sind abgesehen von den Aktivitäten im Online­Magazin gleichen Namens wichtig, um deutsche Mitbürger zu erreichen, die bisher wenig oder überhaupt noch nichts von der Sprache ihrer slawischen Nachbarn in der Oberlausitz wissen. Aber auch Menschen, die sich zwar als Sorben bekennen, der Sprache aber nicht mächtig sind, sind wichtige Adressaten der beiden „mobilen Botschafter“ – eines Busses der Regionalbus Oberlausitz GmbH und eines Trilex-Triebwagens der Länderbahn – sowie des „stationären“ am Giebel eines Hauses am Lauengraben in Bautzen.

EU-Kommission im Rückspiegel?

Mittwoch, 27. Januar 2021 geschrieben von:
Susann Schenk

Die Bürgerinitiative Minority SafePack prägt eine enorme Anziehungskraft. Getragen von der Föderalistischen Union europäischer Nationalitäten, gelang es in einer einzigartigen Aktion, die politische Idee zu besetzen, um die Minderheitenfrage im europäischen Tableau zu verankern. Im Juli 2013 zur Registrierung eingereicht, im September 2013 von der EU-Kommission abgelehnt mit der schmerzlichen Begründung: Fällt manifest nicht in unseren Kompetenzrahmen. Mit zwei Urteilen des Europäischen Gerichtshofs wurde sie dennoch auf den Weg gebracht, Unterschriften erfolgreich gesammelt und 2021 mit einer Liste Folgemaßnahmen beantwortet. Es gehört zur politischen Wahrheit, dass die Luxemburger Urteile und das Votum des EU-Parlaments signi­fikanter ausfallen als die Antwort der EU-Kommission selbst. Die Jahre haben die Minderheiten nicht abgewartet, sie haben sie geprägt. Eine selbstbewusste, vernetzte Gemeinschaft, die auf dem politischen Mehr-Ebenen-Parkett angekommen ist und ein Zeichen für das europäische Haus ablegt.

Im Schatten von Corona gereift

Mittwoch, 30. Dezember 2020 geschrieben von:
Axel Arlt

Der Schatten der Corona-Pandemie überdeckte im Jahr 2020 auch das sorbische Leben. Viele traditionelle Veranstaltungen mussten abgesagt oder, wie die Europeada, terminlich verschoben werden, da sie dem Virus wohl eine zu schnelle Weiterverbreitung ermöglicht hätten.

Corona hat es aber nicht geschafft, das sorbische Leben zum Erliegen zu bringen. Der Sprung vom Analogen ins Digitale gelang in vieler Hinsicht recht eindrucksvoll. Noch vor Jahresfrist war es kaum vorstellbar, das jährliche Treffen der sorbischen Intelligenz, die Schadźowanka, im Netz zu feiern. Ob dieses Ereignis, Chorproben oder ungezählte Webinare – das alles sind Beispiele für eine tatkräftige und richtungsweisende Unterstützung aus dem Studio Bautzen des Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanals SAEK. Dabei ist eines gewiss: Der SAEK Bautzen wird weiterhin dringend benötigt, egal wie lange die Pandemie noch andauert.

Leider mit Einschränkungen

Mittwoch, 25. November 2020 geschrieben von:
Axel Arlt

Funktionierende sorbische soziale Beziehungen sind ein hohes Gut. Gerade unter den Bedingungen der Corona-Pandemie jedoch sind sie stark eingeschränkt. Dass die Infektionen im Landkreis Bautzen immer noch zu den höchsten der ganzen Bundesrepublik zählen, ist gewiss keine beruhigende Nachricht.

Vor diesem Hintergrund ist eine Statistik ernüchternd, die der sorbische Dachverband Domowina erstellt hat. Erstmalig übermittelte das Landratsamt den Bürgermeistern und Kreisräten am ersten Novemberwochenende eine Liste aktueller Zahlen zu den Corona-Infizierten je Gemeinde. Dawid Statnik, Kreisrat der CDU und Vorsitzender der Domowina, stellte diese Zahl der jeweiligen Einwohnerschaft gegenüber und fand heraus, dass mehrere sorbische Kommunen prozentual die meisten infizierten Bewohner aufweisen.

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