Leider mit Einschränkungen

Mittwoch, 25. November 2020 geschrieben von:
Axel Arlt

Funktionierende sorbische soziale Beziehungen sind ein hohes Gut. Gerade unter den Bedingungen der Corona-Pandemie jedoch sind sie stark eingeschränkt. Dass die Infektionen im Landkreis Bautzen immer noch zu den höchsten der ganzen Bundesrepublik zählen, ist gewiss keine beruhigende Nachricht.

Vor diesem Hintergrund ist eine Statistik ernüchternd, die der sorbische Dachverband Domowina erstellt hat. Erstmalig übermittelte das Landratsamt den Bürgermeistern und Kreisräten am ersten Novemberwochenende eine Liste aktueller Zahlen zu den Corona-Infizierten je Gemeinde. Dawid Statnik, Kreisrat der CDU und Vorsitzender der Domowina, stellte diese Zahl der jeweiligen Einwohnerschaft gegenüber und fand heraus, dass mehrere sorbische Kommunen prozentual die meisten infizierten Bewohner aufweisen.

Endlich deutlich Stellung beziehen

Mittwoch, 28. Oktober 2020 geschrieben von:
Jan Diedrichsen

Europas Minderheiten können und sollten­ sich mit Recht selbst feiern. Im Europäischen Parlament fand am 15. Oktober eine Anhörung zur Stärkung des Minderheitenschutzes statt. Mit einem Bürgerbegehren ist es den Minderheiten gelungen, 1 Million Unterschriften zu sammeln, um für mehr Minderheitenschutz einzutreten! Dies allein ist schon ein imposanter Erfolg. Die Dachorganisation der Minderheiten, die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN), hat es geschafft, eine Solidar­gemeinschaft von Südtirol bis zu den Szeklern in Rumänien, von den Katalanen in Spanien bis zu den Westfriesen in den Niederlanden zu schmieden.

Geschichte schreiben

Mittwoch, 30. September 2020 geschrieben von:
Axel Arlt

Das in der Niederlausitz gewachsene sorbische/wendische Siedlungsgebiet erfordert sehr wohl eine größere kommunale Aufmerksamkeit. Doch dass der Landkreis Dahme-Spreewald nun der Domowina, dem Dachverband sorbischer Vereine und Regionalverbände, als förderndes Mitglied beitreten möchte, ist eine Entwicklung, die selbst zu Beginn dieses von der Corona-Pandemie geprägten Jahres nicht absehbar war.

Austausch auch geschichtlich

Mittwoch, 26. August 2020 geschrieben von:
Axel Arlt

„Unsere sorbische Welt ist viel größer, als wir uns dessen oftmals bewusst sind.“ Diesem Satz von Dawid Statnik, Vorsitzender der Domowina, wird das geplante „Jahr der Regionalverbände“ (Lěto župow) des Dachverbands sorbischer Ver­eine eine besondere Aufmerksamkeit abver­langen. Mit dem in den letzten Wochen konstituierten Vorbereitungsausschuss ist die Grundlage geschaffen, um mit zielgerichtetem Handeln interessante Veranstaltungen zu organisieren.

Beginnen soll das Jahr der Regionalverbände am 24. Juli 2021 und bis 2022 andauern. An diesem Tag vor einhundert Jahren beschloss die Delegierten­ver­sammlung sorbischer Vereine in Hoyerswerda, sogenannte Unterverbände, sorbisch župy, zu bilden, um die Tätigkeit der nationalen Organisation besser zu strukturieren. Damals entstanden die heutigen Regionalverbände „Jan Arnošt Smoler“ Bautzen, „Handrij Zejler“ Hoyerswerda und „Michał Hórnik“ Kamenz. In der Niederlausitz war mit diesem Beschluss­ ein Unterverband „Hendrich Jordan“ Cottbus vorgesehen.

So viel gab’s noch nie

Mittwoch, 29. Juli 2020 geschrieben von:
Janek Schäfer

Gleich zweimal steht das Sorbische zur Zeit im Mittelpunkt von Kampagnen der sächsischen Staatsregierung. Zum einen ist es die des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus „Sorbisch? Na klar.“, die im Februar an­gelaufen ist; zum anderen die Ende des Schuljahres ins Leben gerufene Kampagne „Čakamy na tebje! – Wir warten auf dich!“ des sächsischen Kultusministeriums. Ich finde es toll, denn in beiden Fällen ist das Sorbische auf großen Werbeflächen und sogar auf Bussen in der Region klar sichtbar. Deshalb auch der Staatsregierung und dem Ministerpräsidenten Sachsens Michael Kretschmer ein dickes Lob!

Wiedergeburt statt Rückzug

Mittwoch, 24. Juni 2020 geschrieben von:
Julian Nyča

2020 ist ein seltsames Jahr. Seltsam, weil wir auf viele Gewohnheiten verzichten müssen. Seltsam aber auch, weil das eingespielte Verhältnis zwischen Sorbisch und Deutsch in der Lausitz ins Rutschen gerät – in die richtige Richtung.

Ob es die sächsische Imagekampagne ist, die Wegweiser und Ortstafeln, an denen plötzlich sorbische Namen gleichberechtigt stehen, ein geplanter zweisprachiger Rundweg auf den sagenumwobenen Lubin (Drohmberg) am äußersten Rand des Sorbenlandes oder die – komplett zweisprachige – Neugestaltung sämtlicher Bushaltestellen im Siedlungsgebiet. Und sowohl die „Kulturstrategie Lausitz“ als auch die Hochglanzbroschüre der Zukunftswerkstatt Lausitz über die Sorben, beide kürzlich erschienen, betonen nicht mehr das „Exotische“ oder „Fremde“ im Sorbischen, sondern dessen Rolle als Scharnier, das die Lausitz zusammenhält. In all dem lässt sich ein neuer Umgang mit der kleineren einheimischen Sprache erkennen.

Beachtlich gestartet

Mittwoch, 27. Mai 2020 geschrieben von:
Axel Arlt

Der neue Sächsische Rat für sorbische Angelegenheiten arbeitet. Dieser einfache Satz drückt eine große Erleichterung aus. Schließlich verstrich ein halbes Jahr, ehe die vom Bundesvorstand der Domowina nominierten Personen sowie der von den sorbischen Kommunen Entsandte gewählt waren und sich als neues Gremium konstituiert hatten. Gewiss trug die Corona-Krise ihren Teil zu der Verzögerung bei. Doch es sind Aufgaben einfach aufgeschoben worden, die den nun aktiven Ratsmitgliedern den Einstieg nicht unbedingt erleichtert haben.

Mit dem Standpunkt zur Einführung von Gesamtschulen sowie der erwarteten Fürsprache, an den Sorbischen Oberschulen Ralbitz und Räckelwitz im Schuljahr 2020/2021 jeweils zwei fünfte ­Klassen zu bilden, ist der Rat trotz des zeitlichen Drucks beachtlich in seine Wahlperiode gestartet.

Sprache ist auch Leben

Mittwoch, 29. April 2020 geschrieben von:
Janek Schäfer

Die Corona-Pandemie hat die Welt weiterhin fest im Griff und eine Normalisierung rückt, so scheint es, täglich weiter in die Ferne. Da sind Informationen zur Krise und zu Maßnahmen das A und O.

Abschreckung: Keine Spur!

Mittwoch, 26. Februar 2020 geschrieben von:
Janek Schäfer

Die Gewalt gegenüber dem Unbekannten und vermeintlich Fremden nimmt zu. Dies zeigen die jüngsten Ereignisse von Hanau und zuvor in Halle sowie auch im sorbischen Siedlungsgebiet. Erst unlängst gab es erneut Übergriffe von mutmaßlich Rechtsradikalen auf sorbische Jugendliche. Wohin soll dies alles noch führen, frage ich mich öfter denn je und bin nicht der Einzige. Laut werden auch Stimmen, dass die Politik eine Mitverantwortung trägt, weil einige gewählte Vertreter, die sich selbst als Alternative in unserem Land sehen, alles Unbekannte – kurz alles Fremde –, als Bedrohung darstellen und Hass aussäen.

Weg vom „Feigenblatt“

Mittwoch, 29. Januar 2020 geschrieben von:
Axel Arlt

Sowohl beim Kreistag Bautzen wie auch beim Stadtrat der Spreestadt gibt es einen Arbeitskreis für sorbische Angelegenheiten. Beider Wirken leidet darunter, zwar da zu sein, aber wenig bewirken zu können. Dieser unbefriedigende Status wird auch als „Feigenblatt“ beschrieben, mit dem man sich gegenüber anderen Kommunen oder Landkreisen schmücken kann: „Schaut her, so unterstützen wir unsere sorbischen Mitbürger!“

Die aktuelle Konstellation beider sorbischer Arbeitskreise generiert keinen nachhaltigen Einfluss. Alles, was dort bearbeitet, analysiert, kritisiert oder für positiv befunden wird, wo konkrete Verbesserungen des deutsch-sorbischen Mit­einanders angestoßen werden sollen, ist weder für den Kreistag noch für den Stadtrat verbindlich. Beide Gremien haben dafür keine rechtliche Grundlage. Diese aber hätte ein – nennen wir ihn „Sorbischer“ – Ausschuss. So, wie er in Brandenburg im Landkreis Spree-Neiße arbeitet. So, wie er dort fest eingebunden ist in die Arbeitsweise des Kreistages.

Anzeige