Aus der Tradition in die Zukunft

Mittwoch, 27. Juli 2022 geschrieben von:
Axel Arlt

Mit einer Tages(Abend)zeitung in obersorbischer und einer Wochenzeitung in niedersorbischer Sprache waren die Lausitzer Sorben oder Wenden über viele Jahrzehnte gegenüber vielen anderen nationalen Minderheiten in Europa gut aufgestellt. Doch die Welt ändert sich. Das Internet bietet eine schnellere Kommunikation und auch die sozialen Medien sind heute ein selbstverständliches Mittel, wenn es darum geht, Neuigkeiten und Informationen umgehend weiterzuleiten. Und da, dessen sind sich die Verantwortlichen zumindest bewusst, wartet noch einige Arbeit.

Nachrichten aus den umliegenden und auch etwas entfernter liegenden Orten auszutauschen, anderen zugänglich zu machen, den Blick auch auf das Sorbische über den eigenen Dorfrand hinaus zu weiten – das wollte der Lohsaer Pfarrer Handrij Zejler als erster Redakteur mit dem 1842 begründeten Wochenblatt „Tydźenske Nowiny“ erreichen. Gemäß dem Selbstverständnis der Redaktion stehen die Serbske Nowiny weiterhin in dieser Tradition.

Über Missstände offen sprechen

Mittwoch, 29. Juni 2022 geschrieben von:
Axel Arlt

Von einem „essenziellen Bestandteil unseres Kircheseins“ sprach der Berliner Bischof Christian Stäblein mit Blick auf das Sorbische/Wendische auf dem Lausitzkirchentag in Görlitz. Essenziell – für die beiden evangelischen Landeskirchen ebenso wie für ihre Mitglieder aus dem kleinen slawischen Volk selbst – waren auch die Fragen, die in den beiden Podiumsdiskussionen zu sorbischen/wendischen Themen erörtert wurden. Minderheitenpolitik und Sprache sind da bewährte Felder. Räumlich mit etwas Abstand zum sorbischen Siedlungsgebiet ließen sich in Görlitz unbequeme Wahrheiten vielleicht einfacher benennen.

Bindeglied Strukturwandel

Mittwoch, 25. Mai 2022 geschrieben von:
Axel Arlt

Die gerade veröffentlichten Ergebnisse des Lausitz-Monitors 2022 deuten im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Stimmungswechsel hinsichtlich des Kohle- und Atomausstiegs an. Diese Tendenz hat jedoch noch nichts mit dem Krieg Russlands in der Ukraine zu tun, da die Befragungen vor dem 24. Februar abgeschlossen waren. Die Zustimmung zur Energiewende fiel von 57 auf 44 Prozent, das ist fast der Wert von 2020. Während in der Lausitz 39 Prozent der Befragten den Kohleausstieg unterstützen, sind es in Deutschland 61 Prozent. Ähnlich ist es beim Atomausstieg mit 35 zu 51 Prozent.

„Wahnsinniger Qualitätssprung“

Mittwoch, 27. April 2022 geschrieben von:
Axel Arlt

Die Podiumsdiskussion „Was heißt hier Minderheit?“ im Deutschen Bundestag vermittelte aus dem reichen Erfahrungsschatz hiesiger nationaler Minderheiten gleich mehrere interessante Denkanstöße, denen nachzugehen es sich gewiss lohnt. Aussagen von zwei Abgeordneten des Parlamentsausschusses für Inneres und Heimat vermittelten dabei recht deutlich, wo sie Stagnation empfinden und wo eine erfreuliche Entwicklung festzustellen ist. Wenn die Flensburger Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen von nationalen Minderheiten als „dem meist gehüteten Geheimnis Europas“ spricht und nur wenig später vom weiter bestehenden Widerstand der Europäischen Kommission gegen die Bürgerinitiative Minority SafePack die Rede ist, sind das zwei Seiten der gleichen Medaille. In der heutigen Zeit gibt es keinen erkennbaren Grund, aus Minderheiten ein Geheimnis zu machen. Dazu können Minderheitenrechte in der Europäischen Union beitragen, die im Rahmen von Minority SafePack vehement eingefordert werden. Das Signal aus der Runde war eindeutig.

Prof. Dr. Dietrich Scholze-Šołta

Es ist kein Zufall, dass sich die Beziehungen der Lausitzer Sorben in die Ukraine seit den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auf Lwiw, diesen multinationalen, eindrucksvollen Ort konzentriert haben. Die Stadt ist inzwischen das Zentrum der Westukraine und zugleich Weltkulturerbe der UNESCO.

Der Bischof von morgen?

Mittwoch, 23. Februar 2022 geschrieben von:
Bosćan Nawka

„Was nun, Bischof Heinrich?“ lautete die Überschrift eines am 11. Februar kurzfristig von der Jugendseelsorge der Dekanatsstelle Dresden anberaumten digitalen Gesprächs, in dessen Rahmen sich der Bischof Heinrch Timmerevers den brennenden Fragen Jugendlicher zur derzeit alles andere als erquicklichen Situation der Katholischen Kirche stellte. Der oberste Hirte des Bistums Dresden-Meißen verurteilte sexualisierte Gewalt von Priestern an Minderjährigen scharf und gab an, dass alle bekannten Fälle der vergangenen 25 Jahre in seinem Amtsbereich sowohl der Staatsanwaltschaft angezeigt als auch nach Rom gemeldet wurden. Erwiesene Täter dürften unter ihm keinerlei weitere seelsorgerische Tätigkeiten mehr ausführen. Derartiger Macht- und Vertrauensmissbrauch sei jedoch auch zukünftig nicht gänzlich auszuschließen, obgleich die inzwischen vorgeschriebenen Schulungen zur Prävention für das Kirchenpersonal eine gewisse Sensibilisierung gezeigt hätten.

Sehen sichgut gerüstet

Mittwoch, 26. Januar 2022 geschrieben von:
Janek Schäfer

Weihnachten ist vorbei und viele Oster- und Kreuzreiter werden mir beipflichten, die Vorbereitungen für das Oster- bzw. Kreuzreiten in der Lausitz sowie für viele weitere Osterfeste sind schon in vollem Gange.

Großes Kopfzerbrechen bereitet allen – egal ob Reitern, die an den zehn verschiedenen Prozesssionen (die in Ostritz mitgezählt) teilnehmen, oder den Hausfrauen in den Kirchgemeinden sowie Einheimischen und Touristen – nun schon das dritte Ostern das Corona-Virus. Viele treibt bereits jetzt die Frage um, ob sie endlich wieder ein Osterfest erleben werden wie vor der Pandemie? Ein Jahr musste schon ganz auf die Choräle singenden und betenden Männer hoch zu Ross verzichtet werden. Und so hoffen viele, dass 2020 das einzige Jahr ohne Reiterprozessionen war. Im vergangenen Jahr waren die Prozessionen nur unter strengen Auflagen genehmigt, was sicherlich gerechtfertigt war.

Anspornen, nicht überfordern

Mittwoch, 29. Dezember 2021 geschrieben von:
Axel Arlt

Die sorbische Sprache angemessen zu vermitteln, damit sie zielstrebig erlernt und zu immer mehr Gelegenheiten im Alltag gesprochen werden kann, das ist allgemein betrachtet gewiss kein außergewöhnliches Vorhaben für das Jahr 2022. Dennoch verbirgt sich dahinter ein wichtiges Anliegen. Die/der Einzelne wie auch die gesamte sorbische Gesellschaft in ihrer sprachlich bedingten Vielschichtigkeit sollen aktiv dazu beitragen, die Muttersprache bzw. die angeeignete Zweitsprache in möglichst guter Qualität zu praktizieren. Niemand sollte dabei überfordert, sondern angespornt sein.

Nicht gekannte Herausforderung

Mittwoch, 24. November 2021 geschrieben von:
Axel Arlt

Die Domowina erwartet, dass die Gelder für sorbische Strukturwandelprojekte in Sachsen hauptsächlich in die Schaffung zusätzlicher Sprachräume investiert werden. Das geht aus dem Positionspapier ihres Präsidiums zu den Förderrichtlinien im Rahmen des Strukturwandels der Stiftung für das sorbische Volk hervor. Dabei sollen die Ergebnisse der bewilligten Maßnahmen messbar dazu beitragen, die sorbische Sprachsubstanz zu beleben und zu erweitern.

Das Ziel des sorbischen Dachverbandes ist mit dieser Forderung eindeutig: Der Braunkohleabbau hat die sorbische/wendische Sprache mehr als 150 Jahre zurückgedrängt, er hat sorbische Siedlungen als primäre Sprachräume vernichtet. Nun ist aus sorbischer Sicht Wiedergutmachung angesagt. Da bietet sich mit den Mitteln des Strukturwandels vielleicht die letzte möglichst umfangreiche Gelegenheit, um eine Infrastruktur zu schaffen, die die sorbische Sprache zu einer noch größeren Selbstverständlichkeit in der Lausitzer Gesellschaft werden lässt.

Europa soll verstehen lernen

Mittwoch, 27. Oktober 2021 geschrieben von:
Janek Schäfer

„Europa ist reicher durch nationale Minderheiten. Das sollte es langsam verste­hen lernen“. Diese Feststellung und Forderung der Europapolitikerin Walburga von Habsburg-Douglas auf der jüngsten Tagung der Europäischen Vereinigung der Minderheitentageszeitungen (Midas) Anfang Oktober unterschreibe und unterstütze ich voll und ganz.

Zu jeder Konferenz an der Vertrete­rinnen und Vertreter von Minderheiten teilnehmen, oder auch auf Treffen der Midas spürt man aufs Neue, welch besonderer Reichtum Minderheiten nicht nur im täglichen Leben, sondern ebenso in allen anderen Bereichen, wie auch der Politik sind. Solche Treffen mit Kolleginnen und Kollegen sowie der Erfahrungsaustausch stärken nicht nur die Redaktionen der Minderheitenzeitungen, sondern geben jeder Teilnehmerin und jedem­ Teilnehmer neue und vor allem kreative Impulse für die journalistische Arbeit und fürs Schrieben in Minderheiten- und Regionalsprachen, um sie zu stärken, zu bewahren und somit auch die Vielfalt Europas zu erhalten.

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