Gemeinsamsind wir Lausitz

srjeda, 28. decembera 2022 spisane wot:
Marcel Braumann

Die monatliche deutschsprachige Ausgabe unserer sorbischen Zeitung hat zwar den Erscheinungsjahren nach die Volljährigkeit überschritten, gehört aber noch zu den jungen Periodika. Ihre Geburt war auch Ausdruck des Bekenntnisses, dass die Redaktion die Lausitz als gemeinsamen Gestaltungsraum aller hier Lebenden betrachtet. Und wenn laut aktuellem Lausitz-Monitor rund 60 Prozent der repräsentativ Befragten unserer Region die sorbischen Lebensweisen als Alleinstellungsmerkmal der Lausitz empfinden, dann liegt es nahe, auch weiterhin über Themen rund um dieses Markenzeichen barrierefrei zu kommunizieren. Also auch auf Deutsch.

Auf einem guten Weg

srjeda, 30. nowembera 2022 spisane wot:
Benedikt Dyrlich

Am 17. November vor vier Jahren erlebte ich in Schleife einen historischen Augenblick: die Konstituierung der ersten geheim und frei gewählten Vertretung des sorbischen Volkes. Abgeordnete aus allen Regionen der Lausitz und außerhalb von ihr wurden in das neue Amt im Serbski Sejm eingewiesen, haben ihre ersten Entscheidungen getroffen zu sorbischen Anliegen, zur Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Inzwischen arbeitet das Parlament zielstrebig und widmet sich überwiegend den Grundlagen für mehr Mitspracherechte eines jeden, der sich als Sorbin oder Sorbe bekennt.

Dies heißt vor allem: Der Sejm setzt sich für mehr Rechte bei der Regelung und Förderung unserer zweisprachigen Siedlungen und Räume, Einrichtungen und Medien ein; für ein fruchtbares Miteinander im Rahmen europäischer Vereinbarungen zwischen sprachlichen und kulturellen Minderheiten und Mehrheiten; für ein freundschaftliches Verhältnis zu unseren deutschen und slawischen Nachbarn, wofür das Projekt Slavonic Europe steht.

Wegbereiter und Brückenbauer

srjeda, 26. oktobera 2022 spisane wot:
Axel Arlt

„Der diesjährige Zejler-Preisträger ist uns als förderlicher Macher ein Beispiel.“ Diese Worte wählte Domowina-Hauptgeschäftsführerin Judith Scholze in ihrer Laudatio für Wito Böhmak, dem diese hohe Ehrung als Informatiker und nicht als Sprachforscher zuerkannt wurde. Der Preis würdigt in Sachsen herausragende, beispielhafte Leistungen beim Lernen, Anwenden und Vermitteln der sorbischen Sprache. Die Jury wollte damit ein Achtungszeichen setzen, schließlich bedarf es noch weiterer großer Anstrengungen auf diesem Gebiet. Auch wenn die sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, vom „selbstverständlichen Dasein der sorbischen Sprache in der neuen digitalen Welt“ sprach, ist mit Selbstverständlichkeiten wenig zu erreichen. Allgemeine Feststellungen, wie zum Beispiel „das müsste gemacht werden“, bringen niemanden voran.

Der zweite Versuch

srjeda, 31. awgusta 2022 spisane wot:
Julian Nyča

Trotz vieler noch bestehender Unklarheiten und Unwägbarkeiten im Angesicht der Weltlage: Der Strukturwandel in der Lausitz nimmt langsam Gestalt an. In den nächsten Wochen fällt die Entscheidung für einige Großprojekte, die in letzter Zeit teils sehr ausführlich beworben wurden. Auch die nächste Runde sorbischer Projekte steht an.

Es ist nicht der erste grundlegende Strukturwandel, den unsere Gegend in der Neuzeit erlebt. Ebenso wie im Zuge der Transformation der sorbischen Heide in ein Industrielabyrinth aus Gruben, Kraftwerken, Bahnsträngen und Werkssiedlungen werden auch heute wieder, quasi nebenbei, Weichen für die Zukunft des Sorbischen gestellt.

Aus der Tradition in die Zukunft

srjeda, 27. julija 2022 spisane wot:
Axel Arlt

Mit einer Tages(Abend)zeitung in obersorbischer und einer Wochenzeitung in niedersorbischer Sprache waren die Lausitzer Sorben oder Wenden über viele Jahrzehnte gegenüber vielen anderen nationalen Minderheiten in Europa gut aufgestellt. Doch die Welt ändert sich. Das Internet bietet eine schnellere Kommunikation und auch die sozialen Medien sind heute ein selbstverständliches Mittel, wenn es darum geht, Neuigkeiten und Informationen umgehend weiterzuleiten. Und da, dessen sind sich die Verantwortlichen zumindest bewusst, wartet noch einige Arbeit.

Nachrichten aus den umliegenden und auch etwas entfernter liegenden Orten auszutauschen, anderen zugänglich zu machen, den Blick auch auf das Sorbische über den eigenen Dorfrand hinaus zu weiten – das wollte der Lohsaer Pfarrer Handrij Zejler als erster Redakteur mit dem 1842 begründeten Wochenblatt „Tydźenske Nowiny“ erreichen. Gemäß dem Selbstverständnis der Redaktion stehen die Serbske Nowiny weiterhin in dieser Tradition.

Über Missstände offen sprechen

srjeda, 29. junija 2022 spisane wot:
Axel Arlt

Von einem „essenziellen Bestandteil unseres Kircheseins“ sprach der Berliner Bischof Christian Stäblein mit Blick auf das Sorbische/Wendische auf dem Lausitzkirchentag in Görlitz. Essenziell – für die beiden evangelischen Landeskirchen ebenso wie für ihre Mitglieder aus dem kleinen slawischen Volk selbst – waren auch die Fragen, die in den beiden Podiumsdiskussionen zu sorbischen/wendischen Themen erörtert wurden. Minderheitenpolitik und Sprache sind da bewährte Felder. Räumlich mit etwas Abstand zum sorbischen Siedlungsgebiet ließen sich in Görlitz unbequeme Wahrheiten vielleicht einfacher benennen.

Bindeglied Strukturwandel

srjeda, 25. meje 2022 spisane wot:
Axel Arlt

Die gerade veröffentlichten Ergebnisse des Lausitz-Monitors 2022 deuten im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Stimmungswechsel hinsichtlich des Kohle- und Atomausstiegs an. Diese Tendenz hat jedoch noch nichts mit dem Krieg Russlands in der Ukraine zu tun, da die Befragungen vor dem 24. Februar abgeschlossen waren. Die Zustimmung zur Energiewende fiel von 57 auf 44 Prozent, das ist fast der Wert von 2020. Während in der Lausitz 39 Prozent der Befragten den Kohleausstieg unterstützen, sind es in Deutschland 61 Prozent. Ähnlich ist es beim Atomausstieg mit 35 zu 51 Prozent.

„Wahnsinniger Qualitätssprung“

srjeda, 27. apryla 2022 spisane wot:
Axel Arlt

Die Podiumsdiskussion „Was heißt hier Minderheit?“ im Deutschen Bundestag vermittelte aus dem reichen Erfahrungsschatz hiesiger nationaler Minderheiten gleich mehrere interessante Denkanstöße, denen nachzugehen es sich gewiss lohnt. Aussagen von zwei Abgeordneten des Parlamentsausschusses für Inneres und Heimat vermittelten dabei recht deutlich, wo sie Stagnation empfinden und wo eine erfreuliche Entwicklung festzustellen ist. Wenn die Flensburger Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen von nationalen Minderheiten als „dem meist gehüteten Geheimnis Europas“ spricht und nur wenig später vom weiter bestehenden Widerstand der Europäischen Kommission gegen die Bürgerinitiative Minority SafePack die Rede ist, sind das zwei Seiten der gleichen Medaille. In der heutigen Zeit gibt es keinen erkennbaren Grund, aus Minderheiten ein Geheimnis zu machen. Dazu können Minderheitenrechte in der Europäischen Union beitragen, die im Rahmen von Minority SafePack vehement eingefordert werden. Das Signal aus der Runde war eindeutig.

Prof. Dr. Dietrich Scholze-Šołta

Es ist kein Zufall, dass sich die Beziehungen der Lausitzer Sorben in die Ukraine seit den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auf Lwiw, diesen multinationalen, eindrucksvollen Ort konzentriert haben. Die Stadt ist inzwischen das Zentrum der Westukraine und zugleich Weltkulturerbe der UNESCO.

Der Bischof von morgen?

srjeda, 23. februara 2022 spisane wot:
Bosćan Nawka

„Was nun, Bischof Heinrich?“ lautete die Überschrift eines am 11. Februar kurzfristig von der Jugendseelsorge der Dekanatsstelle Dresden anberaumten digitalen Gesprächs, in dessen Rahmen sich der Bischof Heinrch Timmerevers den brennenden Fragen Jugendlicher zur derzeit alles andere als erquicklichen Situation der Katholischen Kirche stellte. Der oberste Hirte des Bistums Dresden-Meißen verurteilte sexualisierte Gewalt von Priestern an Minderjährigen scharf und gab an, dass alle bekannten Fälle der vergangenen 25 Jahre in seinem Amtsbereich sowohl der Staatsanwaltschaft angezeigt als auch nach Rom gemeldet wurden. Erwiesene Täter dürften unter ihm keinerlei weitere seelsorgerische Tätigkeiten mehr ausführen. Derartiger Macht- und Vertrauensmissbrauch sei jedoch auch zukünftig nicht gänzlich auszuschließen, obgleich die inzwischen vorgeschriebenen Schulungen zur Prävention für das Kirchenpersonal eine gewisse Sensibilisierung gezeigt hätten.

słowo lěta 2022

nawěšk

nowostki LND