Austausch auch geschichtlich

srjeda, 26. awgusta 2020 spisane wot:
Axel Arlt

„Unsere sorbische Welt ist viel größer, als wir uns dessen oftmals bewusst sind.“ Diesem Satz von Dawid Statnik, Vorsitzender der Domowina, wird das geplante „Jahr der Regionalverbände“ (Lěto župow) des Dachverbands sorbischer Ver­eine eine besondere Aufmerksamkeit abver­langen. Mit dem in den letzten Wochen konstituierten Vorbereitungsausschuss ist die Grundlage geschaffen, um mit zielgerichtetem Handeln interessante Veranstaltungen zu organisieren.

Beginnen soll das Jahr der Regionalverbände am 24. Juli 2021 und bis 2022 andauern. An diesem Tag vor einhundert Jahren beschloss die Delegierten­ver­sammlung sorbischer Vereine in Hoyerswerda, sogenannte Unterverbände, sorbisch župy, zu bilden, um die Tätigkeit der nationalen Organisation besser zu strukturieren. Damals entstanden die heutigen Regionalverbände „Jan Arnošt Smoler“ Bautzen, „Handrij Zejler“ Hoyerswerda und „Michał Hórnik“ Kamenz. In der Niederlausitz war mit diesem Beschluss­ ein Unterverband „Hendrich Jordan“ Cottbus vorgesehen.

So viel gab’s noch nie

srjeda, 29. julija 2020 spisane wot:
Janek Schäfer

Gleich zweimal steht das Sorbische zur Zeit im Mittelpunkt von Kampagnen der sächsischen Staatsregierung. Zum einen ist es die des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus „Sorbisch? Na klar.“, die im Februar an­gelaufen ist; zum anderen die Ende des Schuljahres ins Leben gerufene Kampagne „Čakamy na tebje! – Wir warten auf dich!“ des sächsischen Kultusministeriums. Ich finde es toll, denn in beiden Fällen ist das Sorbische auf großen Werbeflächen und sogar auf Bussen in der Region klar sichtbar. Deshalb auch der Staatsregierung und dem Ministerpräsidenten Sachsens Michael Kretschmer ein dickes Lob!

Wiedergeburt statt Rückzug

srjeda, 24. junija 2020 spisane wot:
Julian Nyča

2020 ist ein seltsames Jahr. Seltsam, weil wir auf viele Gewohnheiten verzichten müssen. Seltsam aber auch, weil das eingespielte Verhältnis zwischen Sorbisch und Deutsch in der Lausitz ins Rutschen gerät – in die richtige Richtung.

Ob es die sächsische Imagekampagne ist, die Wegweiser und Ortstafeln, an denen plötzlich sorbische Namen gleichberechtigt stehen, ein geplanter zweisprachiger Rundweg auf den sagenumwobenen Lubin (Drohmberg) am äußersten Rand des Sorbenlandes oder die – komplett zweisprachige – Neugestaltung sämtlicher Bushaltestellen im Siedlungsgebiet. Und sowohl die „Kulturstrategie Lausitz“ als auch die Hochglanzbroschüre der Zukunftswerkstatt Lausitz über die Sorben, beide kürzlich erschienen, betonen nicht mehr das „Exotische“ oder „Fremde“ im Sorbischen, sondern dessen Rolle als Scharnier, das die Lausitz zusammenhält. In all dem lässt sich ein neuer Umgang mit der kleineren einheimischen Sprache erkennen.

Beachtlich gestartet

srjeda, 27. meje 2020 spisane wot:
Axel Arlt

Der neue Sächsische Rat für sorbische Angelegenheiten arbeitet. Dieser einfache Satz drückt eine große Erleichterung aus. Schließlich verstrich ein halbes Jahr, ehe die vom Bundesvorstand der Domowina nominierten Personen sowie der von den sorbischen Kommunen Entsandte gewählt waren und sich als neues Gremium konstituiert hatten. Gewiss trug die Corona-Krise ihren Teil zu der Verzögerung bei. Doch es sind Aufgaben einfach aufgeschoben worden, die den nun aktiven Ratsmitgliedern den Einstieg nicht unbedingt erleichtert haben.

Mit dem Standpunkt zur Einführung von Gesamtschulen sowie der erwarteten Fürsprache, an den Sorbischen Oberschulen Ralbitz und Räckelwitz im Schuljahr 2020/2021 jeweils zwei fünfte ­Klassen zu bilden, ist der Rat trotz des zeitlichen Drucks beachtlich in seine Wahlperiode gestartet.

Sprache ist auch Leben

srjeda, 29. apryla 2020 spisane wot:
Janek Schäfer

Die Corona-Pandemie hat die Welt weiterhin fest im Griff und eine Normalisierung rückt, so scheint es, täglich weiter in die Ferne. Da sind Informationen zur Krise und zu Maßnahmen das A und O.

Abschreckung: Keine Spur!

srjeda, 26. februara 2020 spisane wot:
Janek Schäfer

Die Gewalt gegenüber dem Unbekannten und vermeintlich Fremden nimmt zu. Dies zeigen die jüngsten Ereignisse von Hanau und zuvor in Halle sowie auch im sorbischen Siedlungsgebiet. Erst unlängst gab es erneut Übergriffe von mutmaßlich Rechtsradikalen auf sorbische Jugendliche. Wohin soll dies alles noch führen, frage ich mich öfter denn je und bin nicht der Einzige. Laut werden auch Stimmen, dass die Politik eine Mitverantwortung trägt, weil einige gewählte Vertreter, die sich selbst als Alternative in unserem Land sehen, alles Unbekannte – kurz alles Fremde –, als Bedrohung darstellen und Hass aussäen.

Weg vom „Feigenblatt“

srjeda, 29. januara 2020 spisane wot:
Axel Arlt

Sowohl beim Kreistag Bautzen wie auch beim Stadtrat der Spreestadt gibt es einen Arbeitskreis für sorbische Angelegenheiten. Beider Wirken leidet darunter, zwar da zu sein, aber wenig bewirken zu können. Dieser unbefriedigende Status wird auch als „Feigenblatt“ beschrieben, mit dem man sich gegenüber anderen Kommunen oder Landkreisen schmücken kann: „Schaut her, so unterstützen wir unsere sorbischen Mitbürger!“

Die aktuelle Konstellation beider sorbischer Arbeitskreise generiert keinen nachhaltigen Einfluss. Alles, was dort bearbeitet, analysiert, kritisiert oder für positiv befunden wird, wo konkrete Verbesserungen des deutsch-sorbischen Mit­einanders angestoßen werden sollen, ist weder für den Kreistag noch für den Stadtrat verbindlich. Beide Gremien haben dafür keine rechtliche Grundlage. Diese aber hätte ein – nennen wir ihn „Sorbischer“ – Ausschuss. So, wie er in Brandenburg im Landkreis Spree-Neiße arbeitet. So, wie er dort fest eingebunden ist in die Arbeitsweise des Kreistages.

Der lange Weg in die Zukunft

póndźela, 30. decembera 2019 spisane wot:
Julian Nyča

„Eine Sprache, die das digitale Zeitalter erreicht hat, stirbt nicht aus.“ So fasste der Linguist David Crystal die positiven Auswirkungen der digitalen Revolution für kleine Sprachen zusammen.

In der sorbischen digitalen Welt hat sich einiges getan. Anwendungen wie Soblex oder Rechtschreibprüfung sind aus dem Alltag vieler kaum mehr wegzudenken. Andere, wie Sorbisch Online Lernen oder „Krok po kroku“, erleichtern das Erlernen unserer Sprache. Der Browser Firefox, das Mailprogramm Thunderbird oder die Navi-App OsmAnd sind, oft dank dem Engagement Einzelner, auch auf Sorbisch verfügbar. Die Sprache in Betriebssysteme von Rechnern und Mobilgeräten zu integrieren, ist dagegen bisher nicht geglückt.

Hand in Hand – Gewinn für beide

srjeda, 27. nowembera 2019 spisane wot:
Axel Arlt

Für Kittlitz bei Löbau war es schon ein bewegendes Ereignis. Ein Musikwerk kehrt an den Ort zurück, in dem es vor 125 Jahren entstand. Gleichzeitig wird damit ein Kantor in Erinnerung gerufen, der 36 Jahre in der Kirchgemeinde wirkte und dort auch seinen Lebensabend verbrachte.

Korla Awgust Kocor, oder deutsch Karl August Katzer, ist allgemein gesagt der sorbische Nationalkomponist. Er lebte und wirkte zur Zeit der Romantik. Seine Werke bezaubern bis heute. Das bestätigten nicht zuletzt Musikerinnen des erweiterten Collegium musicum Zittau, das die orchestrale Begleitung zur Aufführung von Kocors geistlichem Oratorium „Sorbisches Requiem“ am 10. November in der Kirche zu Kittlitz und am 24. November in der Zittauer Johanniskirche übernommen hatte.

Die Gefahr ist nicht gebannt

srjeda, 30. oktobera 2019 spisane wot:
Axel Arlt

Die neue Sorben/Wenden-Schulverordnung des Landes Brandenburg kann getrost als „Never Ending Story“ bezeichnet werden. Es ist der Landesregierung von SPD und Die Linke in der vergangenen Wahlperiode nicht gelungen, diese für den Sorbischunterricht in der Niederlausitz so wichtige Rechtsgrundlage zu beschließen. Sorbische/Wendische Forderungen, auch die seitens der Elterninitiative von Kathleen Komolka und ihren MitstreiterInnen, konnten bisher nicht mit den Vorstellungen im zuständigen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport in Übereinstimmung gebracht werden. Selbst Gespräche mit Minister Günter Baaske und seiner Nachfolgerin Britta Ernst führten nicht zum notwendigen Durchbruch.

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