Ein wunderschönes Fleckchen Erde

srjeda, 26. awgusta 2020 spisane wot:

Aus der Vogelperspektive gesehen liegt Räckelwitz als herzförmiges Gebilde inmitten der anmutigen Landschaft „Am Klosterwasser“. Was Räckelwitz nicht nur Einheimischen, sondern auch Touristen zu bieten hat, das stellt in Wort und zahlreichen Bildern die Neuerscheinung aus dem Domowina-Verlag „Worklecy něhdy a dźensa – Räckelwitz einst und heute“ vor.

In dieser Gemeinde leben rund 1 200 Menschen, von denen die meisten die sorbische wie die deutsche Sprache gleichermaßen beherrschen. Dem trägt das Buch Rechnung, indem sich Texte auf Deutsch und Sorbisch abwechseln. Und selbst wenn der Tourist, der sich die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Ge­mein­de erschließen möchte, kein Sor­bisch­ versteht, kann er sich doch an den zweisprachigen Bildunterschriften orientieren. Für Hiesige, die das Sorbische noch nicht so perfekt beherrschen, könnten die sorbischen Texte ein Anstoß sein, sich wieder intensiver mit der Materie zu beschäftigen.

Neues Schaffen in alter Spinnerei

srjeda, 29. julija 2020 spisane wot:

Hohe Backsteinbauten, ein ganzes Gelände voller Ausstellungshallen und Ateliers­ von Künstlern bietet die Baumwollspinnerei in Leipzig. Damit ist sie immer einen Besuch wert, zurzeit auch deswegen, weil Bilder von Lausitzern gezeigt werden. In der denkmalgeschützten Halle­ 14 präsentiert der Freistaat Sachsen seine Kunstkäufe. Dieses Jahr waren es 32 Werke von 30 Künstlern. Unter ihnen ist Jürgen Matschie aus Bautzen, von dem eine zwölfteilige Fotoserie mit dem Titel „Gut Geisendorf“ erworben wurde. Über ein Jahrzehnt fuhr der Fo­tograf immer wieder dorthin und hielt den Wandel der Tagebaulandschaft mit dem Herrenhaus in Brandenburg fest. Gezeigt wird außerdem das Ge­mälde „Gum“ von Annedore Dietze, die 1972 in Bischofswerda geboren wurde, ein Bild, das an Pfingstrosen erinnert. Von weiteren Künstlern, die in Sachsen leben oder einen Bezug zum Freistaat haben, sind Grafiken, Skulpturen, textile Werke, Installationen und Videos zu sehen. Auch frühere Ankäufe werden in der über 2 000 Quadratmeter großen Halle gezeigt. Fotos sind zahlreich ausgestellt.

Die Spur der Kaurischnecke

srjeda, 24. junija 2020 spisane wot:

Unter dem sorbischen Titel „kóstkaty slěd“, wortwörtlich übersetzt „die knöcherne Spur“, beleuchtet die in Bautzen geborene und in Leipzig lebenden Künstlerin Karoline Schneider auf dem Gelände der ehemaligen Leipziger Baumwollspinnerei zurzeit Herkunft und kulturelle Bedeutung der Kaurischnecke.

Die kleinen weißen Schnecken kennt so manche/-r als Schmuck auf dem Geschirr der sorbischen Osterreiter. Durch ihre regelmäßige Form und Größe sind sie sehr gut geeignet, um zu größeren Ornamenten zusammengefügt zu werden. Ursprünglich stammen sie aus dem indopazifischen Raum und sind weltweit Bestandteil kultureller Praktiken, von denen manche nachweislich bis zu 6 000 Jahre vor unsere Zeitrechnung zurückverfolgt werden können. Sie wurden bzw. werden zum Beispiel wegen ihrer Seltenheit in bestimmten Regionen als Zahlungsmittel, durch ihre Ähnlichkeit zur Vulva als Fruchtbarkeitssymbol und wegen der Ähnlichkeit zum menschlichen Auge als Schutzzauber gegen den sogenannten „bösen Blick“ benutzt.

„Za moju domiznu – Für meine Heimat“, die dritte Veröffentlichung der unter dem Künstlernamen „die Herrmann“ auftretenden Leipziger Sängerin und Liedermacherin Christin Herrmann, ist sowohl die erste EP der Künstlerin als auch der erste Tonträger, auf dem sie sich nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich mit ihrem kulturellen Erbe respektive ihren sorbischen Wurzeln auseinandersetzt. Der Titel der Platte, deren Produktion von der Stiftung für das sorbische Volk gefördert wurde, ist somit programmatisch zu verstehen. Die fünf auf ihr verewigten Lieder nähern sich dem Themenkomplex aus unterschiedlichen lyrischen Perspektiven.

Thomas Kläber war 12 Jahre alt, als es bei ihm mit Wucht und Wonne „Klick“ gemacht hat. Ein leidenschaftlich fotografierender Onkel hatte ihn mit ins Fotolabor genommen. Das Geheimnis, aus einem richtigen Moment mit Kamera und Fotopapier ein Bild zu machen, war so faszinierend für den Jungen, dass daraus seine Lebensaufgabe erwuchs. Taschengeld und erstes Selbstverdientes wurden von da an in die eigene Fotoausrüstung gesteckt. Man darf annehmen, dass der heute weithin geachtete Bildkünstler es nie bereut hat.

Kurz vor Ostern werden auch die Pferde in der Oberlausitz langsam unruhig. Plötzlich tauchen ihre Besitzer öfter im Stall auf, die Rösser werden gestriegelt und vom Hufschmied begutachtet. Am Ostersonnabend geht es ans Waschfass, Männer rubbeln die langen Mähnen und drehen Strohwickel hinein. Am nächsten Morgen kommen die Wickel wieder heraus, die Mähnen werden toupiert, manchmal auch geflochten und mit Blüten versehen. Über den Kopf gibt es oft noch einen Kettenschmuck, an den Schweif eine bestickte Schleife, blütenweiß und frisch gebügelt, es sei denn, jemand ist gestorben, dann wird eine schwarze Schleife angebunden. Das Geschirr ist längst gewienert und rund um den Reiter steht oft eine ganze Familie bereit. Die Mutter schließt den letzten Knopf am Hemdkragen ihres Jungen und rückt die Fliege zurecht. Was alles zum Osterreiten in der Oberlausitz dazugehört, das ganze Gewimmel rund um Ross und Reiter, zeigt eindrucksvoll der neue Bildband aus dem Domowina-Verlag in Bautzen: „Jutry doma. Osterreiten“.

Erstmalig in der Öffentlichkeit

srjeda, 26. februara 2020 spisane wot:

Bautzen-Kenner auch in Brandenburg haben mit großem Interesse zur Kenntnis genommen, dass das dortige historische Bahnhofsgebäude wieder an Schönheit gewonnen hat. Aber auch in der Niederlausitz ist einer der vielen Bahnhöfe, die leider in den Jahren nach 1990 an Glanz und Bedeutung verloren haben – u. a. in Forst und Guben – wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

Gemeint ist der Großenhainer Bahnhof direkt neben dem neu gestalteten Cottbuser Hauptbahnhof. Von ihm fuhren ab 1870 Züge nach Großenhain als direkte Zugverbindung nach Sachsen. 1873 entstanden dann das Empfangsgebäude, die wichtigsten Räume im klassizistischen Stil, teilweise mit Stuck an den Decken. Doch diese Strecke wurde 1882 wieder eingestellt, das rotbraune Gebäude blieb als technisches Denkmal erhalten. Jetzt hat ein Cottbuser Bauunternehmen in das historische Bahnhofsgebäude wieder Leben gebracht. Es entstanden zwei Kunstgalerien – die „Galerie S“ und die „Galerie Brandenburg“.

Der Verein Kólesko (Spinnrad) setzt sich weiter für die Bewahrung und Pflege des Schleifer Sorbisch ein. Dafür steht das jetzt von ihm herausgegebene Evangelische Gesangbuch „Něnter comy Boga chwalić“ (Jetzt wollen wir Gott loben). „Es ist ein Beitrag zur Stärkung der Wurzeln und der sorbischen Identität. Zugleich kann mit dem Gesangbuch die Tradition des Ostersingens weitergeführt werden“, unterstrich Pfarrerin Jadwiga Mahling am Sonnabend zur Buchvorstellung in der Schleifer Kirche.

Anders als das Deutsche und andere slawische Sprachen kennt das Sorbische kein eigenes Wort für „Tracht“, es gibt lediglich verschieden spezifizierte „Kleidung“. Und diese klingt weder in sprachlicher Hinsicht nach Vergangenheit, noch gehört sie ihr an – solange es Frauen gibt, die täglich ihre sorbische Kleidung tragen.

Konzerte bieten, und das vollkommen unabhängig vom Genre, viele Möglichkeiten, Musik zu genießen. Der Kunst in diesem Kontext tatsächlich zu lauschen, ist jedoch ein eher seltener Genuss – viel zu oft verleiten Auftritte vor Publikum dazu, sich vom Geschehen auf der Bühne ablenken zu lassen. Im Fall der Virtuosin Carolina Eyck kommt noch hinzu, dass das Theremin, welches sie wie nur wenige andere Musiker weltweit beherrscht, nach wie vor zu den exotischsten Instrumenten gezählt werden darf. Den meisten ihr zusehenden Zuhörer ist es­ schlicht unbegreiflich, wie sie Töne scheinbar aus der Luft erzeugt. Und selbst nachdem sie die grundlegende Funktionsweise erklärt hat, was gewissermaßen ein selbstständiges Element beinahe aller ihrer Programme darstellt, stehen hernach vor allem die in der Tat außergewöhnlichen handwerklichen Fähigkeiten der Künstlerin eher im Mittelpunkt als die Musik.

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