Swoboda kiwa – Die Freiheit winkt

srjeda, 25. awgusta 2021 spisane wot:

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“, dies sagte Dr. Friedrich Pollack vom Sor­bi­schen Institut, George Santayana zitierend, bei der Eröffnung der Wanderausstellung „Swoboda kiwa! Die Freiheit winkt!“ im Bautzener Steinhaus. Diese ist dort bis zum 5. September zu sehen.

Sorbische Musik im digitalen Äther

srjeda, 28. julija 2021 spisane wot:

In den Weiten des Internets nach sorbischer Musik zu suchen, kann sich als mühselige und zeitaufwendige Angelegenheit erweisen – vor allem, wenn nicht (genau) bekannt sein sollte, was eigentlich zu finden das Ziel ist. Ein junges Lausitzer Künstlerkollektiv hat daher ein Projekt ins Leben gerufen, das in diesem Zusammenhang Abhilfe schaffen soll. „Serbska hudźba – Sorbian music“ heißt der Youtube-Kanal, auf welchem nicht nur die Musiker des Kollektivs selbst in verschiedenen Formationen ihre Lieder mit teils aufwendig gestalteten Videos präsentieren, sondern der zukünftig als Plattform für alle sorbischen Produktionen, die weitestgehend der Pop-Sparte zugeordnet werden können, dienen soll. Bislang wurden auf dem Kanal, der derzeit etwa 500 Abonnenten zählt, zwölf Videos veröffentlicht, die insgesamt über 70 000 Mal aufgerufen wurden.

Das Jahr 2022 hält etliche Jubiläen für die Lausitzer bereit. Dem trägt der Wandkalender „Lausitz – Łužica – Łužyca“ aus dem Domowina-Verlag Bautzen Rechnung. Denn die Neuerscheinung hält nicht nur 28 Bildmotive bereit, eingefangen von Fotograf Matthias Bulang, sondern als Ergänzung auch kleine Texte, die auf die Besonderheiten des Jubiläumsjahres hinweisen.

So feiert beispielsweise Hochkirch sein 800. Ortsjubiläum. Das Blatt für Mitte Februar zeigt eine stimmungsvolle Gesamtansicht der Gemeinde unter dem Czorneboh, leicht mit Schnee überzuckert. Das Buch von Marko Greulich „Unterm Czorneboh“ erscheint 2022 anlässlich des Jubiläums in einer Neuauflage. In dem Buch ist auch eine Passage enthalten, in der der sorbische Schriftsteller und Dichter Jan Radyserb-Wjela die Schönheit Hochkirchs preist und dies auf dem letzten Kalenderblatt zitiert wird.

„Svatební a pohřební – Weddings and funerals“ ist das zweite Album des tschechischen Musikerkollektivs Lidová muzika z Chrástu. Wie der Titel nahelegt, interpretiert die Gruppe darauf traditionelle Hochzeits- und Klagelieder. Die Auswahl der insgesamt 30 Stücke erfolgte unter Berücksichtigung aller (historischen) Regionen Tschechiens. Sogar zwei deutschsprachige Weisen aus dem Sudetenland sowie ein Lied in der heute kaum noch gesprochenen Egerländer Mundart sind auf dem Tonträger zu finden. Außerdem wurden, auf die lange und freundschaftliche Beziehung zueinander verweisend, zwei Lausitzer Lieder aufgenommen, je eines auf Niedersorbisch und im Schleifer Dialekt. Das Kollektiv betritt mit den beiden letztgenannten Titeln keinesfalls Neuland, hatte es doch bereits mit dem vor etwa drei Jahren erschienenen Debüt „Za čěskimi horami (Jenseits der böhmischen Berge)“ eine Platte herausgebracht, die 25 teils stark bis hin zur Verfremdung und Dekonstruktion bearbeitete Volkslieder der Ober- und Niedersorben enthält.

Bezaubernd schöne Frauen

srjeda, 28. apryla 2021 spisane wot:

Eine junge Frau sehnt sich nach ihrem Liebsten. Sie steht im Brautkleid am Meer, der Schleier weht im Wind, in der Ferne schwimmt das Segelboot mit ihrem Mann. Dort hinten ist das Wasser ruhig, aber an der Seite wölben sich die Wellen bedrohlich auf. Ein einziges Bild von Jutta Mirtschin lässt gleich eine Geschichte im Kopf entstehen. Es ist das erste Bild in einem Buch, das im Domowina-Verlag in Bautzen erschienen ist, mit über 500 Seiten und mehr als 2 000 Werken der Künstlerin.

Geteilte Schätze einer großen Dichterin

srjeda, 31. měrca 2021 spisane wot:

Eine Methode, sich einem Buch zu nähern, ist die Frage: Kann man es gut vorlesen? Gedichtbände rufen manchmal danach, denn die Auswahl durch den anderen, die Stimme, die ein bisschen fremd ist, beides ermöglicht ein anderes Verstehen. Hören sollte man sie immer, die Gedichte, vielleicht auch wie bei Hilde Domin, die sie immer zweimal vorlas.

Große Schleifen in Rosa und Gelb, mit Blüten verziert, Tücher und Hauben, kunstvoll bestickt, mit Perlen und sogar Münzen versehen: Der slowenische Maler Ante Trstenjak (1894–1970) beeindruckt mit einer Fülle von Gemälden, auf denen Sorbinnen in Trachten zu sehen sind. 1928 kam er das erste Mal nach Bautzen und erkundete schließlich fast die gesamte Lausitz. Insgesamt sieben Mal reiste er in die Region. „Tatsächlich kann ich sagen, dass mich alle Lausitzer Sorben kennen, weil ich während meiner Arbeit die ganze Gegend durchwandert habe und es wahrscheinlich keinen Bauernhof gab, den ich nicht besucht habe“, ist von ihm überliefert.

Was eine Spreewaldnachtigall singt

srjeda, 27. januara 2021 spisane wot:

Wenn Lausitzer Dichter und Dichterinnen von der fabel­haften Tiefe der sorbischen Poesie schwärmen, stehen deutschsprachige Inte­ressierte oft mit großen Augen, aber hilflos dabei. Das kleine Bändchen mit Mato Kosyks Gedichten kann dem ab­helfen. Die beiden Sorabisten Peter Jannasch und Roland Marti haben die deutsche Fassung einer Auswahl an Gedichten geliefert, die tatsächlich ahnen lässt, was es mit der poetischen sorbischen Sprache auf sich hat.

Dem unbedarften Leser begegnet ein kleines, feines Fundstück von über hundert Seiten. Ein Blick hinein – und schon darf er sich umfangen fühlen von einer überraschenden Poesie. Einfach, aber wortgewaltig, freudig und dankbar finden sich Lobpreisungen der Natur, des Gartens, der Schönheiten des Tageslaufes und besonderer Feste in der Heimat. Dafür brauchen andere den Roman.

Das erste Foto aus dem neuen Bildband „Tief im Osten – Die Lausitz im Wandel 1976–2020“ mit Fotografien von Jürgen Matschie entstand 1976, das – in der zeitlichen Abfolge – letzte 2020. Zwischen diesen beiden Zeitmarken liegen – und das in nur gut 40 Jahren – Welten. Die Fotografien illustrieren den rasanten Wandel der Gesellschaft, der auch vor der Landschaft „Tief im Osten“ – der Lausitz – nicht Halt machte. Der sich – im Gegenteil – hier ganz besonders brisant widerspiegelte. Nachdem Jürgen Matschie in den zurückliegenden Jahren zumeist themenbezogene Bildbände herausbrachte, stellt der neueste – erschienen im Mitteldeutschen Verlag – einen Querschnitt durch sein gesamtes fotografisches Schaffen dar. Die chronologisch angeordneten Bilder zeigen Entwicklungen auf: Die persönliche Entwicklung des Fotografen Jürgen Matschie und die Entwicklung des Landstriches, in dem der 1953 Geborene aufwuchs und dem er zeit seines Lebens verbunden blieb.

Hana ist ein schönes Mädel, das findet mancher im Dorf. Sie lebt auf einem Hof in Horka bei Kamenz und hilft ihren sorbischen Stiefeltern in der Landwirtschaft. Ihre richtigen Eltern kennt sie kaum, die wohnen in Dresden und haben sie als Kind aufs Land gebracht, weil sie dachten, sie wäre dort sicherer als in der Großstadt. So scheint es auch über eine lange Zeit. Hana wächst heran, lebt die sorbischen Bräuche und trägt Tracht. Viele Menschen im Dorf wissen, dass sie Jüdin ist und später katholisch getauft wurde. Das spielt keine große Rolle, aber bald mehren sich die Anzeichen, dass es gefährlich wird für die junge Frau. Die Geschichte beginnt 1939, führt bis zum Sommer 1943, als sie Mitte 20 ist, und endet tragisch. Jurij Koch hat sie geschrieben: „Hana. Eine jüdisch-sorbische Erzählung“, die gerade beim Hentrich & Hentrich Verlag Berlin/Leipzig erschien.

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