Die Spur der Kaurischnecke

srjeda, 24. junija 2020 spisane wot:

Unter dem sorbischen Titel „kóstkaty slěd“, wortwörtlich übersetzt „die knöcherne Spur“, beleuchtet die in Bautzen geborene und in Leipzig lebenden Künstlerin Karoline Schneider auf dem Gelände der ehemaligen Leipziger Baumwollspinnerei zurzeit Herkunft und kulturelle Bedeutung der Kaurischnecke.

Die kleinen weißen Schnecken kennt so manche/-r als Schmuck auf dem Geschirr der sorbischen Osterreiter. Durch ihre regelmäßige Form und Größe sind sie sehr gut geeignet, um zu größeren Ornamenten zusammengefügt zu werden. Ursprünglich stammen sie aus dem indopazifischen Raum und sind weltweit Bestandteil kultureller Praktiken, von denen manche nachweislich bis zu 6 000 Jahre vor unsere Zeitrechnung zurückverfolgt werden können. Sie wurden bzw. werden zum Beispiel wegen ihrer Seltenheit in bestimmten Regionen als Zahlungsmittel, durch ihre Ähnlichkeit zur Vulva als Fruchtbarkeitssymbol und wegen der Ähnlichkeit zum menschlichen Auge als Schutzzauber gegen den sogenannten „bösen Blick“ benutzt.

„Za moju domiznu – Für meine Heimat“, die dritte Veröffentlichung der unter dem Künstlernamen „die Herrmann“ auftretenden Leipziger Sängerin und Liedermacherin Christin Herrmann, ist sowohl die erste EP der Künstlerin als auch der erste Tonträger, auf dem sie sich nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich mit ihrem kulturellen Erbe respektive ihren sorbischen Wurzeln auseinandersetzt. Der Titel der Platte, deren Produktion von der Stiftung für das sorbische Volk gefördert wurde, ist somit programmatisch zu verstehen. Die fünf auf ihr verewigten Lieder nähern sich dem Themenkomplex aus unterschiedlichen lyrischen Perspektiven.

Thomas Kläber war 12 Jahre alt, als es bei ihm mit Wucht und Wonne „Klick“ gemacht hat. Ein leidenschaftlich fotografierender Onkel hatte ihn mit ins Fotolabor genommen. Das Geheimnis, aus einem richtigen Moment mit Kamera und Fotopapier ein Bild zu machen, war so faszinierend für den Jungen, dass daraus seine Lebensaufgabe erwuchs. Taschengeld und erstes Selbstverdientes wurden von da an in die eigene Fotoausrüstung gesteckt. Man darf annehmen, dass der heute weithin geachtete Bildkünstler es nie bereut hat.

Kurz vor Ostern werden auch die Pferde in der Oberlausitz langsam unruhig. Plötzlich tauchen ihre Besitzer öfter im Stall auf, die Rösser werden gestriegelt und vom Hufschmied begutachtet. Am Ostersonnabend geht es ans Waschfass, Männer rubbeln die langen Mähnen und drehen Strohwickel hinein. Am nächsten Morgen kommen die Wickel wieder heraus, die Mähnen werden toupiert, manchmal auch geflochten und mit Blüten versehen. Über den Kopf gibt es oft noch einen Kettenschmuck, an den Schweif eine bestickte Schleife, blütenweiß und frisch gebügelt, es sei denn, jemand ist gestorben, dann wird eine schwarze Schleife angebunden. Das Geschirr ist längst gewienert und rund um den Reiter steht oft eine ganze Familie bereit. Die Mutter schließt den letzten Knopf am Hemdkragen ihres Jungen und rückt die Fliege zurecht. Was alles zum Osterreiten in der Oberlausitz dazugehört, das ganze Gewimmel rund um Ross und Reiter, zeigt eindrucksvoll der neue Bildband aus dem Domowina-Verlag in Bautzen: „Jutry doma. Osterreiten“.

Erstmalig in der Öffentlichkeit

srjeda, 26. februara 2020 spisane wot:

Bautzen-Kenner auch in Brandenburg haben mit großem Interesse zur Kenntnis genommen, dass das dortige historische Bahnhofsgebäude wieder an Schönheit gewonnen hat. Aber auch in der Niederlausitz ist einer der vielen Bahnhöfe, die leider in den Jahren nach 1990 an Glanz und Bedeutung verloren haben – u. a. in Forst und Guben – wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

Gemeint ist der Großenhainer Bahnhof direkt neben dem neu gestalteten Cottbuser Hauptbahnhof. Von ihm fuhren ab 1870 Züge nach Großenhain als direkte Zugverbindung nach Sachsen. 1873 entstanden dann das Empfangsgebäude, die wichtigsten Räume im klassizistischen Stil, teilweise mit Stuck an den Decken. Doch diese Strecke wurde 1882 wieder eingestellt, das rotbraune Gebäude blieb als technisches Denkmal erhalten. Jetzt hat ein Cottbuser Bauunternehmen in das historische Bahnhofsgebäude wieder Leben gebracht. Es entstanden zwei Kunstgalerien – die „Galerie S“ und die „Galerie Brandenburg“.

Der Verein Kólesko (Spinnrad) setzt sich weiter für die Bewahrung und Pflege des Schleifer Sorbisch ein. Dafür steht das jetzt von ihm herausgegebene Evangelische Gesangbuch „Něnter comy Boga chwalić“ (Jetzt wollen wir Gott loben). „Es ist ein Beitrag zur Stärkung der Wurzeln und der sorbischen Identität. Zugleich kann mit dem Gesangbuch die Tradition des Ostersingens weitergeführt werden“, unterstrich Pfarrerin Jadwiga Mahling am Sonnabend zur Buchvorstellung in der Schleifer Kirche.

Anders als das Deutsche und andere slawische Sprachen kennt das Sorbische kein eigenes Wort für „Tracht“, es gibt lediglich verschieden spezifizierte „Kleidung“. Und diese klingt weder in sprachlicher Hinsicht nach Vergangenheit, noch gehört sie ihr an – solange es Frauen gibt, die täglich ihre sorbische Kleidung tragen.

Konzerte bieten, und das vollkommen unabhängig vom Genre, viele Möglichkeiten, Musik zu genießen. Der Kunst in diesem Kontext tatsächlich zu lauschen, ist jedoch ein eher seltener Genuss – viel zu oft verleiten Auftritte vor Publikum dazu, sich vom Geschehen auf der Bühne ablenken zu lassen. Im Fall der Virtuosin Carolina Eyck kommt noch hinzu, dass das Theremin, welches sie wie nur wenige andere Musiker weltweit beherrscht, nach wie vor zu den exotischsten Instrumenten gezählt werden darf. Den meisten ihr zusehenden Zuhörer ist es­ schlicht unbegreiflich, wie sie Töne scheinbar aus der Luft erzeugt. Und selbst nachdem sie die grundlegende Funktionsweise erklärt hat, was gewissermaßen ein selbstständiges Element beinahe aller ihrer Programme darstellt, stehen hernach vor allem die in der Tat außergewöhnlichen handwerklichen Fähigkeiten der Künstlerin eher im Mittelpunkt als die Musik.

Wie haben Oma und Opa vor mehr als 100 Jahren im Kirchspiel Schleife geheiratet? Antwort darauf gibt jetzt eine Ausstellung im Sorbischen Kulturzentrum Schleife. Sorbischer können die Erinnerungen gar nicht mehr sein. Das Projekt geht bis in das Jahr 2013 zurück. Damals hatte die Domowina-Ortsgruppe Schleife eine Idee von Wolfgang Kotissek aufgegriffen, dass es sich doch lohnen würde, einmal das Fest der sorbischen Hochzeit im Kirchspiel Schleife über Jahrzehnte zurück zu verfolgen und zu dokumentieren. Sorbische Hochzeiten gab es viele, sie waren eine schöne Tradition im sorbischen Leben.

Im Bautzener Norden ...

srjeda, 25. septembera 2019 spisane wot:

... ging Marko Greulich dieses Mal auf Spurensuche zu historischen Details und Geschichten des einst noch vorwiegend sorbisch geprägten täglichen Lebens im städtischen Umland. Nach den heimischen Dörfern um Hochkirch (2012) und der Gegend zwischen Gröditz und Malsch­witz (2015) konzentrierten sich Autor und Verlag im vorliegenden dritten Buch „A srjedźa Kaponica – Mittendrin der Hahneberg“ auf die Kirchspiele Königswartha, Milkel und Neschwitz.

Wiederum hat Greulich aus sorbischen Zeitungen zwischen 1843 und 1937 originäre Berichte und Informationen ausgewählt und sie mit literarischen Exkursen ergänzt. Etwa ein Viertel des 400 Seiten füllenden Bandes nehmen die chronologischen Beiträge aus den drei Kirchspielen ein. Der sich hierin widerspiegelnde Alltag der ländlichen Bevölkerung macht das Besondere in Greulichs Büchern aus; mit Sicherheit trifft mancher Leser dabei auf einen Namen seiner eigenen Vorfahren oder Nachbarn.

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