Ich habe es bereits gesehen: Das Magazin „Carpe noctem – Njeskónčna nóc“ – jedoch bisher nur in digitaler Form. Am 3. Dezember erscheint es gedruckt, als Einleger in der Jugendbeilage der Tageszeitung Serbske Nowiny (SN). Dann können Sie, und Sie – und auch ich es in der Hand halten und lesen, was es auf sich hat mit der unendlichen Nacht „Carpe noctem“. Dieses Medienprojekt der SN ist einmalig, ebenso wie das Mitte September in der Crostwitzer Mehrzweckhalle „Jednota“ aufgeführte Bühnenwerk, die Pop-Oper „Carpe noctem – Njeskónčna nóc“. Dort waren es vor allem junge Leute, die mit großem Engagement auf, vor und hinter der Bühne agierten. Das Magazin haben ebenfalls junge Sorben erarbeitet – Schüler, Auszubildende und Studenten. Das überaus ansprechende Titelbild des Magazins verspricht einen interessanten Inhalt. Und den gibt es! Neben Meinungsumfragen und Interviews schätzen junge Autoren ein, mit welchen Akzenten die Macher der Pop-Oper besonderen Anklang beim Publikum fanden. Es gibt kommentierende Hinweise für kommende junge Bühnenprojekte.

Die Ostsächsische Kunsthalle Pulsnitz existiert nun schon seit fast zehn Jahren, doch eine Fotoausstellung gab es dort bislang noch nie. Deshalb freute sich Sabine­ Schubert, die Leiterin des Ernst-Rietschel-Kulturringes umso mehr, dass es nun endlich gelungen ist, die Fotografie als eigenständige Kunstrichtung zu präsentieren. Zu verdanken ist dies in erster Linie dem Bautzener Fotografiker Jürgen Matschie, der die Schau kuratierte. Wer, wenn nicht er, wäre dafür auch so prädestiniert? Denn Jürgen Matschie kennt die Lausitzer Fotografenszene wie kaum ein Zweiter, ist mit vielen von ihnen­ bekannt oder befreundet und hat über einige bereits Bildbände heraus­ge­bracht. Die Ausstellung „So gesehen“ vereint insgesamt 21 Fotografen, die durch ihre Herkunft oder ihren Arbeitsort mit der Lausitz verbunden sind.

Nichts ist schöner als Singen

srjeda, 29. septembera 2021 spisane wot:

Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Was allerdings früher in Bautzen üblich war, ist dann doch erstaunlich. Jürgen Njek, 1947 geboren, kam aus Crostwitz und war Lehrling beim Uhrmachermeister Ernst Scholze auf der Reichenstraße. Kaum war er aus dem Bus raus, da hatte er quer durch Bautzen Semmeln zu holen und sie dem Chef in die Wohnung auf der Seminarstraße zu bringen. „Ernst Scholze, für mich immer der Meister, hing zu dieser Zeit schon in seinen Ringen und machte Morgensport“, berichtet Jürgen Njek. Als Lehrling musste er danach den knapp halben Kilometer rennen, um auf der Reichenstraße pünktlich die Werkstatt und den Laden anzuheizen. Denn wenn der Meister und seine Gesellen kamen, sollte es warm sein. Davon erzählt er nun im Buch „Was wir in uns tragen“ von Christian Schneider aus dem Domowina-Verlag. 13 Porträts hat der freischaffende Autor aus Grubschütz bei Bautzen geschrieben und darin die Lausitzer im Alter von 20 bis 90 selbst zu Wort kommen lassen.

Swoboda kiwa – Die Freiheit winkt

srjeda, 25. awgusta 2021 spisane wot:

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“, dies sagte Dr. Friedrich Pollack vom Sor­bi­schen Institut, George Santayana zitierend, bei der Eröffnung der Wanderausstellung „Swoboda kiwa! Die Freiheit winkt!“ im Bautzener Steinhaus. Diese ist dort bis zum 5. September zu sehen.

Sorbische Musik im digitalen Äther

srjeda, 28. julija 2021 spisane wot:

In den Weiten des Internets nach sorbischer Musik zu suchen, kann sich als mühselige und zeitaufwendige Angelegenheit erweisen – vor allem, wenn nicht (genau) bekannt sein sollte, was eigentlich zu finden das Ziel ist. Ein junges Lausitzer Künstlerkollektiv hat daher ein Projekt ins Leben gerufen, das in diesem Zusammenhang Abhilfe schaffen soll. „Serbska hudźba – Sorbian music“ heißt der Youtube-Kanal, auf welchem nicht nur die Musiker des Kollektivs selbst in verschiedenen Formationen ihre Lieder mit teils aufwendig gestalteten Videos präsentieren, sondern der zukünftig als Plattform für alle sorbischen Produktionen, die weitestgehend der Pop-Sparte zugeordnet werden können, dienen soll. Bislang wurden auf dem Kanal, der derzeit etwa 500 Abonnenten zählt, zwölf Videos veröffentlicht, die insgesamt über 70 000 Mal aufgerufen wurden.

Das Jahr 2022 hält etliche Jubiläen für die Lausitzer bereit. Dem trägt der Wandkalender „Lausitz – Łužica – Łužyca“ aus dem Domowina-Verlag Bautzen Rechnung. Denn die Neuerscheinung hält nicht nur 28 Bildmotive bereit, eingefangen von Fotograf Matthias Bulang, sondern als Ergänzung auch kleine Texte, die auf die Besonderheiten des Jubiläumsjahres hinweisen.

So feiert beispielsweise Hochkirch sein 800. Ortsjubiläum. Das Blatt für Mitte Februar zeigt eine stimmungsvolle Gesamtansicht der Gemeinde unter dem Czorneboh, leicht mit Schnee überzuckert. Das Buch von Marko Greulich „Unterm Czorneboh“ erscheint 2022 anlässlich des Jubiläums in einer Neuauflage. In dem Buch ist auch eine Passage enthalten, in der der sorbische Schriftsteller und Dichter Jan Radyserb-Wjela die Schönheit Hochkirchs preist und dies auf dem letzten Kalenderblatt zitiert wird.

„Svatební a pohřební – Weddings and funerals“ ist das zweite Album des tschechischen Musikerkollektivs Lidová muzika z Chrástu. Wie der Titel nahelegt, interpretiert die Gruppe darauf traditionelle Hochzeits- und Klagelieder. Die Auswahl der insgesamt 30 Stücke erfolgte unter Berücksichtigung aller (historischen) Regionen Tschechiens. Sogar zwei deutschsprachige Weisen aus dem Sudetenland sowie ein Lied in der heute kaum noch gesprochenen Egerländer Mundart sind auf dem Tonträger zu finden. Außerdem wurden, auf die lange und freundschaftliche Beziehung zueinander verweisend, zwei Lausitzer Lieder aufgenommen, je eines auf Niedersorbisch und im Schleifer Dialekt. Das Kollektiv betritt mit den beiden letztgenannten Titeln keinesfalls Neuland, hatte es doch bereits mit dem vor etwa drei Jahren erschienenen Debüt „Za čěskimi horami (Jenseits der böhmischen Berge)“ eine Platte herausgebracht, die 25 teils stark bis hin zur Verfremdung und Dekonstruktion bearbeitete Volkslieder der Ober- und Niedersorben enthält.

Bezaubernd schöne Frauen

srjeda, 28. apryla 2021 spisane wot:

Eine junge Frau sehnt sich nach ihrem Liebsten. Sie steht im Brautkleid am Meer, der Schleier weht im Wind, in der Ferne schwimmt das Segelboot mit ihrem Mann. Dort hinten ist das Wasser ruhig, aber an der Seite wölben sich die Wellen bedrohlich auf. Ein einziges Bild von Jutta Mirtschin lässt gleich eine Geschichte im Kopf entstehen. Es ist das erste Bild in einem Buch, das im Domowina-Verlag in Bautzen erschienen ist, mit über 500 Seiten und mehr als 2 000 Werken der Künstlerin.

Geteilte Schätze einer großen Dichterin

srjeda, 31. měrca 2021 spisane wot:

Eine Methode, sich einem Buch zu nähern, ist die Frage: Kann man es gut vorlesen? Gedichtbände rufen manchmal danach, denn die Auswahl durch den anderen, die Stimme, die ein bisschen fremd ist, beides ermöglicht ein anderes Verstehen. Hören sollte man sie immer, die Gedichte, vielleicht auch wie bei Hilde Domin, die sie immer zweimal vorlas.

Große Schleifen in Rosa und Gelb, mit Blüten verziert, Tücher und Hauben, kunstvoll bestickt, mit Perlen und sogar Münzen versehen: Der slowenische Maler Ante Trstenjak (1894–1970) beeindruckt mit einer Fülle von Gemälden, auf denen Sorbinnen in Trachten zu sehen sind. 1928 kam er das erste Mal nach Bautzen und erkundete schließlich fast die gesamte Lausitz. Insgesamt sieben Mal reiste er in die Region. „Tatsächlich kann ich sagen, dass mich alle Lausitzer Sorben kennen, weil ich während meiner Arbeit die ganze Gegend durchwandert habe und es wahrscheinlich keinen Bauernhof gab, den ich nicht besucht habe“, ist von ihm überliefert.

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