Bezaubernd schöne Frauen

Mittwoch, 28. April 2021 geschrieben von:

Eine junge Frau sehnt sich nach ihrem Liebsten. Sie steht im Brautkleid am Meer, der Schleier weht im Wind, in der Ferne schwimmt das Segelboot mit ihrem Mann. Dort hinten ist das Wasser ruhig, aber an der Seite wölben sich die Wellen bedrohlich auf. Ein einziges Bild von Jutta Mirtschin lässt gleich eine Geschichte im Kopf entstehen. Es ist das erste Bild in einem Buch, das im Domowina-Verlag in Bautzen erschienen ist, mit über 500 Seiten und mehr als 2 000 Werken der Künstlerin.

Geteilte Schätze einer großen Dichterin

Mittwoch, 31. März 2021 geschrieben von:

Eine Methode, sich einem Buch zu nähern, ist die Frage: Kann man es gut vorlesen? Gedichtbände rufen manchmal danach, denn die Auswahl durch den anderen, die Stimme, die ein bisschen fremd ist, beides ermöglicht ein anderes Verstehen. Hören sollte man sie immer, die Gedichte, vielleicht auch wie bei Hilde Domin, die sie immer zweimal vorlas.

Große Schleifen in Rosa und Gelb, mit Blüten verziert, Tücher und Hauben, kunstvoll bestickt, mit Perlen und sogar Münzen versehen: Der slowenische Maler Ante Trstenjak (1894–1970) beeindruckt mit einer Fülle von Gemälden, auf denen Sorbinnen in Trachten zu sehen sind. 1928 kam er das erste Mal nach Bautzen und erkundete schließlich fast die gesamte Lausitz. Insgesamt sieben Mal reiste er in die Region. „Tatsächlich kann ich sagen, dass mich alle Lausitzer Sorben kennen, weil ich während meiner Arbeit die ganze Gegend durchwandert habe und es wahrscheinlich keinen Bauernhof gab, den ich nicht besucht habe“, ist von ihm überliefert.

Was eine Spreewaldnachtigall singt

Mittwoch, 27. Januar 2021 geschrieben von:

Wenn Lausitzer Dichter und Dichterinnen von der fabel­haften Tiefe der sorbischen Poesie schwärmen, stehen deutschsprachige Inte­ressierte oft mit großen Augen, aber hilflos dabei. Das kleine Bändchen mit Mato Kosyks Gedichten kann dem ab­helfen. Die beiden Sorabisten Peter Jannasch und Roland Marti haben die deutsche Fassung einer Auswahl an Gedichten geliefert, die tatsächlich ahnen lässt, was es mit der poetischen sorbischen Sprache auf sich hat.

Dem unbedarften Leser begegnet ein kleines, feines Fundstück von über hundert Seiten. Ein Blick hinein – und schon darf er sich umfangen fühlen von einer überraschenden Poesie. Einfach, aber wortgewaltig, freudig und dankbar finden sich Lobpreisungen der Natur, des Gartens, der Schönheiten des Tageslaufes und besonderer Feste in der Heimat. Dafür brauchen andere den Roman.

Querschnitt durch ein fotografisches Lebenswerk

Mittwoch, 30. Dezember 2020 geschrieben von:

Das erste Foto aus dem neuen Bildband „Tief im Osten – Die Lausitz im Wandel 1976–2020“ mit Fotografien von Jürgen Matschie entstand 1976, das – in der zeitlichen Abfolge – letzte 2020. Zwischen diesen beiden Zeitmarken liegen – und das in nur gut 40 Jahren – Welten. Die Fotografien illustrieren den rasanten Wandel der Gesellschaft, der auch vor der Landschaft „Tief im Osten“ – der Lausitz – nicht Halt machte. Der sich – im Gegenteil – hier ganz besonders brisant widerspiegelte. Nachdem Jürgen Matschie in den zurückliegenden Jahren zumeist themenbezogene Bildbände herausbrachte, stellt der neueste – erschienen im Mitteldeutschen Verlag – einen Querschnitt durch sein gesamtes fotografisches Schaffen dar. Die chronologisch angeordneten Bilder zeigen Entwicklungen auf: Die persönliche Entwicklung des Fotografen Jürgen Matschie und die Entwicklung des Landstriches, in dem der 1953 Geborene aufwuchs und dem er zeit seines Lebens verbunden blieb.

Hana ist ein schönes Mädel, das findet mancher im Dorf. Sie lebt auf einem Hof in Horka bei Kamenz und hilft ihren sorbischen Stiefeltern in der Landwirtschaft. Ihre richtigen Eltern kennt sie kaum, die wohnen in Dresden und haben sie als Kind aufs Land gebracht, weil sie dachten, sie wäre dort sicherer als in der Großstadt. So scheint es auch über eine lange Zeit. Hana wächst heran, lebt die sorbischen Bräuche und trägt Tracht. Viele Menschen im Dorf wissen, dass sie Jüdin ist und später katholisch getauft wurde. Das spielt keine große Rolle, aber bald mehren sich die Anzeichen, dass es gefährlich wird für die junge Frau. Die Geschichte beginnt 1939, führt bis zum Sommer 1943, als sie Mitte 20 ist, und endet tragisch. Jurij Koch hat sie geschrieben: „Hana. Eine jüdisch-sorbische Erzählung“, die gerade beim Hentrich & Hentrich Verlag Berlin/Leipzig erschien.

Wer die Ortsnamen Wartha und Lömischau hört, denkt bei Wartha wahrscheinlich zuallererst an die Naturmärkte, die dort im Frühjahr und Herbst stattfinden, wenn nicht gerade Pandemie herrscht, und an das „Haus der tausend Teiche“. Und der Ruf Lömischaus beruht vor allem auf dem hervorragenden Leumund, den die Gaststätte „Zur guten Laune“ besitzt.

Der frühere Chefredakteur der „Nowa doba“, Sieghard Kosel, ist in Wartha geboren und aufgewachsen und wohnt noch immer in dem idyllischen Ort, der mittlerweile, ebenso wie Lömischau, zu Malschwitz eingemeindet worden ist. Wer könnte also besser über die Vergangenheit der beiden nahe beieinander gelegenen Dörfer berichten, wenn nicht der gestandene Journalist und Lokalpatriot? Es ist wichtig, das Wissen und die Erinnerungen der Älteren festzuhalten, denn nur wer die Vergangenheit kennt, weiß das Geschaffene zu schätzen.

Aufzeichnungen prallen Lebens

Mittwoch, 30. September 2020 geschrieben von:

Ein Dissident ist Jurij Koch (Jg. 1936) nie gewesen, ein kritischer Geist aber sehr wohl. Einer, der Dinge nicht vordergründig schönredet, sondern sie hinterfragt. Diesen kritischen Nicht-Dissidenten wollten Cottbuser Hardliner in der DDR am liebsten hinter „schwedischen Gardinen“ verschwinden lassen, nachdem er auf einem Schriftstellerkongress politisch und ökologisch Tacheles geredet hatte. Wer damals (zuweilen gilt das auch für heute) die Wahrheit für sich gepachtet hatte, für den schienen Texte des sorbischen und deutschen Autors reinweg Teufelswerk. Man denke an den wunderbaren Essayband „Jubel und Schmerz der Mandelkrähe“ (eine sprachliche Delikatesse und eine vorzügliche, aufrüttelnde Nachdenklichkeit!), seinen desillusionierenden und entromantisierenden Roman „Landung der Träume“ oder die Novelle „Der Kirschbaum“ (eine der schönsten und tiefgründigsten Erzählungen im 20. Jahrhundert).

Ein wunderschönes Fleckchen Erde

Mittwoch, 26. August 2020 geschrieben von:

Aus der Vogelperspektive gesehen liegt Räckelwitz als herzförmiges Gebilde inmitten der anmutigen Landschaft „Am Klosterwasser“. Was Räckelwitz nicht nur Einheimischen, sondern auch Touristen zu bieten hat, das stellt in Wort und zahlreichen Bildern die Neuerscheinung aus dem Domowina-Verlag „Worklecy něhdy a dźensa – Räckelwitz einst und heute“ vor.

In dieser Gemeinde leben rund 1 200 Menschen, von denen die meisten die sorbische wie die deutsche Sprache gleichermaßen beherrschen. Dem trägt das Buch Rechnung, indem sich Texte auf Deutsch und Sorbisch abwechseln. Und selbst wenn der Tourist, der sich die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Ge­mein­de erschließen möchte, kein Sor­bisch­ versteht, kann er sich doch an den zweisprachigen Bildunterschriften orientieren. Für Hiesige, die das Sorbische noch nicht so perfekt beherrschen, könnten die sorbischen Texte ein Anstoß sein, sich wieder intensiver mit der Materie zu beschäftigen.

Neues Schaffen in alter Spinnerei

Mittwoch, 29. Juli 2020 geschrieben von:

Hohe Backsteinbauten, ein ganzes Gelände voller Ausstellungshallen und Ateliers­ von Künstlern bietet die Baumwollspinnerei in Leipzig. Damit ist sie immer einen Besuch wert, zurzeit auch deswegen, weil Bilder von Lausitzern gezeigt werden. In der denkmalgeschützten Halle­ 14 präsentiert der Freistaat Sachsen seine Kunstkäufe. Dieses Jahr waren es 32 Werke von 30 Künstlern. Unter ihnen ist Jürgen Matschie aus Bautzen, von dem eine zwölfteilige Fotoserie mit dem Titel „Gut Geisendorf“ erworben wurde. Über ein Jahrzehnt fuhr der Fo­tograf immer wieder dorthin und hielt den Wandel der Tagebaulandschaft mit dem Herrenhaus in Brandenburg fest. Gezeigt wird außerdem das Ge­mälde „Gum“ von Annedore Dietze, die 1972 in Bischofswerda geboren wurde, ein Bild, das an Pfingstrosen erinnert. Von weiteren Künstlern, die in Sachsen leben oder einen Bezug zum Freistaat haben, sind Grafiken, Skulpturen, textile Werke, Installationen und Videos zu sehen. Auch frühere Ankäufe werden in der über 2 000 Quadratmeter großen Halle gezeigt. Fotos sind zahlreich ausgestellt.

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