Einfach Leben! Bleibende Grüße vom Lande

srjeda, 29. apryla 2020
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Ein weiterer Bildband in der von Jürgen Matschie herausgegebenen Reihe Ein weiterer Bildband in der von Jürgen Matschie herausgegebenen Reihe

Thomas Kläber war 12 Jahre alt, als es bei ihm mit Wucht und Wonne „Klick“ gemacht hat. Ein leidenschaftlich fotografierender Onkel hatte ihn mit ins Fotolabor genommen. Das Geheimnis, aus einem richtigen Moment mit Kamera und Fotopapier ein Bild zu machen, war so faszinierend für den Jungen, dass daraus seine Lebensaufgabe erwuchs. Taschengeld und erstes Selbstverdientes wurden von da an in die eigene Fotoausrüstung gesteckt. Man darf annehmen, dass der heute weithin geachtete Bildkünstler es nie bereut hat.

Die Gabe, genau hinzuschauen, dabei zu sein und doch abseits genug, um das spätere Bild zu sehen, hat es ihm möglich gemacht, ein umfangreiches Lebenswerk zu schaffen, das bleibt. Derzeit rufen Fotos aus der „einfachen“ Zeit der DDR allseits erstaunliche Begeisterung hervor. So als hätten die Bilder erst ausruhen, abwarten, ihre Autorinnen und Autoren so lange Geduld haben müssen, bis sie wirklich geschätzt würden. Zur Zeit ihrer Entstehung war das ein wenig anders. Man musste schon einiges Glück haben, um eine so fokussierte Arbeit veröffentlichen zu können, und sicher gibt es andernorts noch Stapel guter Bilder, die nicht wirklich ans Licht gekommen sind.

Umso besser, dass es immer aufmerksame Menschen gab und gibt, die Fotografie mit Haltung zu schätzen wissen. Jürgen Matschie ist so einer. Seine Herausgeberschaft ist besonders lobenswert, schon weil er selbst ein fabelhafter Fotograf der Lausitz ist. Künstler sind nicht gerade verwöhnt durch Lob von Fachleuten; was für eine große, ja liebevolle Anerkennung an den Kollegen ist dann so ein Buch.

Nach seinen Gründen befragt, warum er die bisher sechs Monografien zu Fotografen der Lausitz gemacht hat, nennt Jürgen Matschie zwei: Zum einen ergeben sie, mit leichten Überlappungen, ein Geschichtsbild des Lebens in der Lausitz seit etwa 1920, das durch die ganz unterschiedlichen Handschriften eindrucksvoll entsteht. Und zum anderen sind es genau diese Berufskollegen, von denen Jürgen Matschie Kunst und Handwerk gelernt hat. Eine Hommage? Kann man so sehen.

Wer diesen Band erwirbt, wird mehrfach belohnt. Die Bilder aus dem Leben in der Lausitz erfreuen Herz und Augen. Irgendwie scheint Thomas Kläber immer dabei gewesen zu sein, wenn gearbeitet, Vieh versorgt, gebacken oder Wäsche aufgehangen wurde. Seine Kamera sah zu, wie mühsam die Ernte ist, wie die Zeitung in den Kasten kommt und wo Kunst gemacht wird. Feiern spielen eine große Rolle auf dem Land. Schön zu sehen, dass es die Arbeit der Frauen in den Küchen war, die ihn mehr interessierten als die erhobenen Gläser. Die vierzehn Blechkuchen, aufgereiht auf Behelfstischen, und die Sorgfalt beim Aufschneiden erzählen möglicherweise mehr von Nachbarschaft und Freude am Leben.

In diesem Buch zu blättern gleicht ein bisschen dem Anschauen eines Familienalbums. Umso mehr, als Autoren wie Jurij Koch, Carmen Schliebe und wieder Jürgen Matschie viel zum Verständnis der Zeit von 1968 bis 2018 beizutragen haben.

Thomas Kläbers Fotos vom Leben auf dem Land sind keine Vorzeigebilder. Ihre Schönheit offenbart sich den Achtsamen, die sich gut erinnern und gleichzeitig dankbar und stolz sein können. Man kann die Inspiration des Augenblicks spüren. Sie zeigen das Leben. Das ist die Ästhetik. Christine Ruby

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