Wer war diese starke Frau, die zum Engel von Sibirien wurde? Welches geöffnete Zeitfenster nutzte sie, um sich zu einer so starken Persönlichkeit zu entwickeln? Was machte ihre Persönlichkeit aus?

Solchen und ähnlichen Fragen geht der Autor Dr. Dieter Rostowski aus Kamenz nach. In seiner 53-seitigen Broschüre „Elsa Brändström (1888–1948) – Engel von Sibirien“ zeichnet er den Lebensweg der Tochter eines schwedischen Diplomaten nach, die in St. Petersburg geboren, „... auch in der (sorbischen) Oberlausitz ihre Spuren hinterließ“. Der Autor ist familiär durch seine Schwiegertochter Beate R. mit der Heil- und Kur­stätte Marienborn in Schmeckwitz verbunden, die hier ihr Elternhaus hatte. Diese Schrift hat er also in persönlicher Verbundenheit verfasst.

Eine reine und klare Seele

srjeda, 27. julija 2022 spisane wot:

Korla Awgust Kocor und Handrij Zejler werden oft in einem Atemzug genannt – zu Recht. Denn den Musiker und Komponisten und den evangelischen Pfarrer und Dichter verband eine enge Freundschaft. Ihre Zusammenarbeit wirkte sich äußerst fruchtbar auf die sorbische Musikkultur aus und wirkt bis in die Gegenwart hinein.

Friedemann Böhme, der mit seinem Chor am Sorbischen Gymnasium viele Kocor-Werke aufführte, sagt dazu: „Die Musik von Kocor mit den Texten von Zejler passt auch heute noch perfekt zum sorbischen Selbstverständnis.“ Im Jubiläumsjahr 2022, in dem sich der Geburtstag von Kocor zum 200. Mal und der Todestag von Zejler zum 150. Mal jährt, finden zahlreiche Veranstaltungen statt, um diese herausragenden sorbischen Persönlichkeiten zu ehren. So ist ein kultureller Wandertag auf den Spuren von Kocor und Zejler geplant, dazu zahlreiche Konzerte sowie ein großes Sängertreffen mit 400 Teilnehmern.

Vielschichtig

srjeda, 29. junija 2022 spisane wot:

Im Jahr 2004 schuf der Bautzener Fotograf Jürgen Matschie die Farbfotografie „Kraftwerk Boxberg“. Auf den ersten Blick wirkt dieses Bild wie eine Architektenzeichnung oder eine Computer-Animation. So klinisch rein, ohne Staub und Dreck. Das Kraftwerk gehört zu den modernsten seiner Art. Und doch soll es nach dem Willen interessierter Kreise 2030 oder spätestens 2038 Geschichte sein. Die gesellschaftlichen Entwicklungen werden zeigen, ob es tatsächlich so weit kommt. Das gemeinsame Interesse an der gesellschaftlichen Realität verbindet vier Fotografen, die sich zu der losen Gruppierung ASA zusammengeschlossen haben. Neben Jürgen Matschie sind das Thomas Kläber, Georg Krause und Frank Höhler. Unter dem Titel „Schicht – Umbrüche im Revier“ zeigen die vier Fotokünstler zurzeit eine Ausstellung in der Energiefabrik Knappenrode.

„Party im 21. Jahrhundert“

srjeda, 25. meje 2022 spisane wot:

Derzeit erzeugt eine Sonderausstellung im Sorbischen Museum in Bautzen ­wiederum viel Aufmerksamkeit: „Party im 21. Jahrhundert“. Dieser Titel ist ­zweideutig. Denn Party ist der Plural von Parta, dem Kopfschmuck, den früher die slowakischen Bräute und Brautführerinnen trugen. Bei der sorbischen Braut ist es ja die Borta, an der sie erkannt wird.

Vorlesen ist etwas Wunderbares. Die Nähe, die sich beim gemeinsamen Eintauchen in literarische Welten herstellt, tut in jedem Alter gut. Besonders schön ist es jedoch, wenn wir Kinder auf dieser Reise an die Hand nehmen und ihnen die Schätze der Phantasie zeigen. Die Bücher der Reihe „Das Tal am Fluss“ von Lubina Hajduk-Veljkovićowa ermöglichen genau das.

Ein Dachs, zwei Mäuse, ein Hase und eine Eule – das sind die fünf Freunde Dorian, Kiki, Mirka, Ferdi und Luna, die in den Geschichten gemeinsam so manches Abenteuer erleben. Wie der Titel schon verrät, ist eine idyllische Flussaue der Schauplatz ihrer Erlebnisse, und gemächlich wie der breite Strom ist das Erzähltempo der Autorin. Nun ist der zweite Band, „Lauter Überraschungen“, erschienen. Ganzseitig illustriert, leuchtet das Buch in warmen Farben.

Mehr als nur ein Denkmalführer

srjeda, 30. měrca 2022 spisane wot:

Ein Denkmal fordert seinen Betrachter auf: „Denk mal!“ Es ist eine Aufforderung zum Innehalten. Zum Darüber-Nachdenken, was die Person, für die das Denkmal errichtet wurde, denen bedeutet hat, die es aufstellten. Die 250 Persönlichkeiten, denen die Neuerscheinung „Sorbische Denkmale“ gewidmet ist, haben Außergewöhnliches nicht nur für ihr sorbisches Volk geleistet, sondern auch für ihr deutsches Umfeld und sogar weit darüber hinaus. Deshalb ist es gut, dass die Publikation der Autorin Trudla Malinkowa jetzt auch auf Deutsch erschienen ist. Denn so kann ein breites Publikum für die Leistungen sorbischer Persönlich­keiten sensibilisiert werden. Insgesamt enthält die Neuerscheinung 268 Erinnerungsstätten, das heißt, einige der Beiträge widmen sich auch geschichtlichen Ereignissen oder dem Sitz von Institutionen oder Vereinen.

Der Saurierpark in Kleinwelka zählt heute zu den bedeutendsten und beliebtesten touristischen Attraktionen der Oberlausitz. Unzählige Gäste haben die dort maßstabsgetreu nachgebildeten Urtiere bewundert; vielen von ihnen war der Besuch ein Erlebnis mit bleibenden Erinnerungen. Zu Letzteren müssen wohl auch die beiden Wissenschaftlerinnen und Publizistinnen Janne Gärtner und Anne Waak zählen, schließlich sind sie die Autorinnen des im Dezember letzten Jahres im Verlag Berlinartbooks erschienenen Buches „Aus einem Land vor unserer Zeit – Die Kinder von Kleinwelka“. Der den berühmten Film zitierende Titel wurde bewusst gewählt und darf als Verweis auf den Inhalt des als Festeinband herausgegebenen Druckerzeugnisses verstanden werden, da sich Gärtner und Waak weniger der Erzählkunst mittels Worten als vielmehr durch Bilder verschrieben haben.

Eine Fundgrube der Geschichte

srjeda, 26. januara 2022 spisane wot:

Obwohl das zweibändige Werk „Die Oberlausitz im Zweiten Weltkrieg“ bis auf die Titel keine einzige Abbildung enthält, hilft es den nachfolgenden Generationen, sich ein Bild von der Region vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu machen. Autor Michael Richter hat eine Überfülle Fakten zusammengetragen, die er auf 1 350 Seiten vor dem Leser ausbreitet. Eine wahre Fleißarbeit! Doch Unterhaltungsliteratur ist das nicht. Es ist eine wissenschaftliche Arbeit, die dennoch für den Laien über weite Strecken gut lesbar ist. Mit einer Einschränkung: Fast seitenlange Aufzählungen von Namen, Zahlen, Orten, Dienstgraden etc. wirken ermüdend. Spannend wird es immer dann, wenn Zeitzeugen zu Wort kommen.

Debüt gelungen

srjeda, 29. decembera 2021 spisane wot:

Der aus dem sorbischen Rundfunk bekannte Redakteur Milan Greulich nennt sich zwar als Musiker rokotak (Drosselrohrsänger), doch seine Musik ist alles andere als der mit dem sorbischen Vogelnamen assoziierte Lärm. Nein, sein Debütalbum „Riech an Blumen (und merk dir ihre Namen)“ ist eine Sammlung zwölf ruhiger und melodischer Lieder, deren Atmosphäre sich in den Texten widerspiegelt.

Die Lieder strahlen verschiedenste Nuancen von Melancholie aus. Sie bergen Müdigkeit und Enttäuschung, doch auch Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Der Blick zurück richtet sich gleichzeitig auf die Gegenwart: „Kannst du denn auch die alten Lieder nicht mehr hören / Ohne zu denken – ich weiß nicht, ob wir hier noch dazugehören“. Nie erwächst daraus aber die Klage „Früher war alles besser“. So heißt es: „Kannst du denn auch die alten Fotos nicht mehr sehen? / Weil du ja weißt, in Wirklichkeit war es nur etwa halb so schön“, oder auch: „Denn auch die guten alten Zeiten sind nur alt / Auch wer den Wald trotz all der Bäume sieht, sieht eben doch nur Wald.“

Ich habe es bereits gesehen: Das Magazin „Carpe noctem – Njeskónčna nóc“ – jedoch bisher nur in digitaler Form. Am 3. Dezember erscheint es gedruckt, als Einleger in der Jugendbeilage der Tageszeitung Serbske Nowiny (SN). Dann können Sie, und Sie – und auch ich es in der Hand halten und lesen, was es auf sich hat mit der unendlichen Nacht „Carpe noctem“. Dieses Medienprojekt der SN ist einmalig, ebenso wie das Mitte September in der Crostwitzer Mehrzweckhalle „Jednota“ aufgeführte Bühnenwerk, die Pop-Oper „Carpe noctem – Njeskónčna nóc“. Dort waren es vor allem junge Leute, die mit großem Engagement auf, vor und hinter der Bühne agierten. Das Magazin haben ebenfalls junge Sorben erarbeitet – Schüler, Auszubildende und Studenten. Das überaus ansprechende Titelbild des Magazins verspricht einen interessanten Inhalt. Und den gibt es! Neben Meinungsumfragen und Interviews schätzen junge Autoren ein, mit welchen Akzenten die Macher der Pop-Oper besonderen Anklang beim Publikum fanden. Es gibt kommentierende Hinweise für kommende junge Bühnenprojekte.

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